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Eine Begleitung für den letzten Weg

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14.01.2012

Sterbebegleitung Eine Begleitung für den letzten Weg

Silvia Verwaal-Mellem ist Sterbebegleiterin und unterstützt ehrenamtlich Alte oder Todkranke.

Hockenheim – Während der vergangenen Jahre hat sich Silvia Verwaal-Mellems Sicht auf das Leben stark verändert. Die Arzthelferin ist ehrenamtliche Sterbebegleiterin bei der Hospizgemeinschaft Schwetzingen. Durch ihre Tätigkeit erlebt sie den Alltag heute bewusster, misst den unscheinbaren Dingen mehr Bedeutung zu als früher, sagt die 51 Jahre alte Frau aus Hockenheim.

Ob es um junge Menschen mit einer ausweglosen Diagnose geht oder um alte Frauen oder Männer: Silvia Verwaal-Mellem versucht für jene, die den Tod vor Augen haben und ihre Angehörigen, den Alltag so erträglich wie möglich zu gestalten. Durch sie können die pflegenden Angehörige eine Pause bekommen, während sie bei den Sterbenden wacht, ihnen vorliest oder einfach nur zuhört. “Für die Verwandten ist diese Zeit extrem schwierig, denn neben der Trauer muss eben auch der Alltag bewältigt werden”, sagt die Sterbebegleiterin. Es sei in einer solchen Lebensphase absolut wichtig, dass die Angehörigen auch Zeit für sich haben.

Doch es reiche nicht, einfach nur anwesend zu sein. Auch soziale Kompetenz, Einfühlungsvermögen und Humor – so seltsam es in Verbindung mit dem Thema Tod klingen mag – gehörten zu den wichtigen Eigenschaften eines Sterbebegleiters, ist sie überzeugt. “Lachen kann befreien, kann die Trauer des Moments unterbrechen und für neue Energie sorgen”, sagt sie.

Silvia Verwaal-Mellem und ihre Mitstreiter der Hospizgemeinschaft Schwetzingen werden mit ihrer Aufgabe nicht allein gelassen, sondern beispielsweise vom Programm “Starke Weggefährten” der Dietmar Hopp Stiftung gefördert. Die Stiftung finanziert für mehrere Hunderttausend Euro im Jahr Weiterbildungskurse für ehrenamtliche Sterbebegleiter aus der Metropolregion Rhein-Neckar.

An drei Bildungsinstituten sind bisher 47 Kurse angeboten worden, bei denen es etwa darum ging, wie man Gespräche mit Sterbenden und deren Angehörigen einfühlsam führt, sich Zeit nimmt und Zeit schenkt, aber auch zum Umgang mit belastenden Gefühlen, wie es von der Stiftung heißt. Nach Angaben der Stiftung haben bisher 570 Teilnehmer, also mehr als die Hälfte der ungefähr 1.000 ehrenamtlichen Sterbebegleiter, in den ersten neun Monaten die zur Verfügung gestellten Weiterbildungsgutscheine eingelöst.

Für Verwaal-Mellem und die anderen ehrenamtlichen Sterbebegleiter bringt das Engagement der Stiftung zudem mehr Aufmerksamkeit für ihre anstrengende aber wertvolle Arbeit. Dafür wurde die Dietmar Hopp Stiftung auch von der Initiative “Deutschland – Land der Ideen” und der Deutschen Bank beim Wettbewerb “365 Orte im Land der Ideen” ausgezeichnet.

Wie aber kommt jemand dazu, eine so schwierige Aufgabe zu übernehmen, dazu noch ehrenamtlich? Wie bei vielen ehrenamtlichen Sterbebegleitern gab auch bei Silvia Verwaal-Mellem der Verlust eines geliebten Menschen den Ausschlag. Nach dem Tod der Mutter im Jahr 2000 wurde der Arzthelferin klar, dass sie sich mit ihrer Trauer auseinandersetzen musste. “Ansonsten wäre ich vielleicht daran zerbrochen”, sagt sie heute.

Deshalb habe sie sich 2003 für eine Ausbildung zur Hospizbegleiterin entschieden, zunächst jedoch ohne die Absicht, anschließend selbst in die Begleitungsarbeit einzusteigen. Erst als die Ausbildung zu Ende ging und Silvia Verwaal-Mellem ihre eigene Trauer verarbeitet hatte, sei ihr Entschluss gereift, ihre Erfahrungen im Umgang mit Tod und Sterben an andere Menschen weiterzugeben. Seitdem hat sie nach eigenen Angaben etwa ein Dutzend Sterbende auf ihrem letzten Weg begleitet.

Herzklopfen ist immer dabei, wenn sich Silvia Verwaal-Mellem erstmals zu einem todkranken Patienten aufmacht. Wie die Sterbehelferin sagt, “erlebt jeder sein Ende auf eine andere Weise”. Daher wisse man nie, was einen erwartet.

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