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„Ein Bild malen, das alle schlecht finden

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03.02.2012

Georg Baselitz „Ein Bild malen, das alle schlecht finden“

Georg Baselitz wollte in früher Schaffensphase in Berlin gegen den Strom schwimmen.

Potsdam – “Kläglich, erbärmlich und schmutzig” – so beschreibt der Künstler Georg Baselitz seine in Berlin entstandenen Werke aus der frühen Schaffensphase in den 1960er Jahren. Bei seinen Gemälden ging es ihm vor allem um Provokation, sagte er am Freitag in der Potsdamer Villa Schöningen. “Ich wollte etwas anderes machen, als angesagt war.” Einen Einblick in diese Werkphase gibt dort ab Samstag (4. Februar) eine Ausstellung, die 21 Exponate des Künstlers aus seiner eigenen Sammlung zeigt. Die meisten der Bilder sind zwischen 1959 und 1966 entstanden.

Er habe damals ein Bild malen wollen, das alle schlecht finden, sagt Baselitz. Die Berliner Werke seien nur zu verstehen, wenn man die Depression mit einbezöge, die damals in Berlin vorgeherrscht habe. Nach dem Krieg seien in Deutschland die Städte, Strukturen und Hierarchien zerstört gewesen, es sei ein “Haufen Mist” da gewesen, wie es der Künstler bezeichnet.

Baselitz, 1938 als Hans-Georg Kern in Deutschbaselitz (Sachsen) geboren, lebte seit 1956 in Berlin. Dort hat er zwar Werke produziert, einen Niederschlag hat seine Kunst aber nicht gefunden: “Hier ist keine Saat aufgegangen”, sagte der Künstler. Baselitz verließ 1966 die Stadt, kam aber immer wieder nach Berlin zurück und wurde dort in den 1980er Jahren Professor an der Hochschule für Bildende Künste.

Unter den nun in der Villa Schöningen ausgestellten Gemälden befindet sich eine Version der “großen Nacht im Eimer”. Das Bild hatte 1963 für einen Skandal in der Galerie Werner & Katz in Berlin gesorgt. Es wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt – Baselitz wurde angeklagt, “fortgesetzte und gemeinschaftlich begangene Handlungen unzüchtige Darstellungen an Orten, welche dem Publikum zugänglich waren, ausgestellt zu haben”. Der anschließende Prozess endete erst 1965 mit der Rückgabe der Bilder.

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, Mitinhaber der Villa, sagte: “Diese Sammlung ist bisher noch nie gezeigt worden.” Er sei froh, dass der Künstler damit seine eigene Sicht auf das eigene Werk öffentlich mache.

Baselitz räumte ein, dass ihn mit der Ausstellung von frühen Bildern auch ein Stück Scham begleite. “Weil ich nicht sicher bin, ob sie was taugen.” Das Erscheinungsbild seiner Bilder habe sich im Verlauf seiner Künstlerkarriere verändert, “so dass ich Dinge heute besser sichtbar machen kann.” Was er damals geschaffen habe, sei vor allem auf Provokation aus gewesen. Die Schau “Georg Baselitz – Berliner Jahre” ist bis zum 1. August 2012 zu sehen.

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