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Mutter mit zwei Kindern

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09.08.2015

Dorothee Bär Deutschland hat katastrophales Verhältnis zu Kindern

„Wir haben drei Kinder und zum Glück die Großeltern in der Nähe.“

Berlin – In der Geschlechter-Debatte meldet sich auch Dorothee Bär zu Wort. In der Welt am Sonntag erzählt die CSU-Staatssekretärin von schlimmen Diskriminierungen, die sie als Politikerin und Mutter zu spüren bekommen hat: „Mein Mann und ich arbeiten beide Vollzeit. Wir haben drei Kinder und zum Glück die Großeltern in der Nähe, die uns unterstützen. Ich liebe Kinder, aber im Miteinander in der Gesellschaft zeigen wir in Deutschland ein katastrophales Verhältnis zu Kindern“, sagt sie im Interview.

„Ob in der Schule, vom Staat, den Frauenärzten – eigentlich bekommen Frauen bei uns immer nur beigebracht, wie man Kinder verhindert. Also, wie man zu verhüten hat, dass man sich besser erst auf die Berufsfindung konzentriert statt auf Nachwuchs. Ständig wird suggeriert, dass das Leben erst perfekt sein müsse, bevor man ein Kind in die Welt setzen könne.“

Selbst habe sie viele negative Erfahrungen einstecken müssen: „Als Politikerin habe ich selbst schlimme Diskriminierungen zu spüren bekommen: Hast du keine Kinder, wirst du nicht ernst genommen. Da heißt es dann: `Krieg erst mal ein Kind, sonst kannst du gar nicht mitreden.` Hast du dann schließlich ein Kind, heißt es: `Warum bleibt sie nicht zu Hause und ist eine gute Mutter`.“

Nach der Geburt ihres dritten Kindes habe sie sich Kommentare anhören müssen wie: `Wenn es wieder ein Madl geworden wäre, hättet ihr wohl ewig weitergemacht, bis endlich ein Bub gekommen wäre.` Andere fragten: `Ja, geht das jetzt jedes Jahr so weiter` Oder sagten: `Die hat schon wieder geworfen.` Dorothee Bär: „Man braucht ein wahnsinniges Selbstbewusstsein, allein, um mit diesen Sprüchen umzugehen, die man dauernd an den Kopf geknallt bekommt und die extrem verletzen, wenn man sich kein dickes Fell zulegt.“

Alleinerziehenden Frauen werde eh nichts zugetraut, sagt die Politikerin. „Arbeitgeber nehmen von vornherein an, dass sie nichts gewuppt bekommen, weil sie schon genug um die Ohren haben. Man kann natürlich schlecht ein Gesetz verordnen, das die Lust auf Kinder fördert. Aber unsere Haltung zu diesem Thema muss sich dringend ändern.“ Frauen sollen Karriere machen – und Mütter sein. Das ist für viele schwer, für manche gar nicht miteinander vereinbar.

Neben Dorothea Bär berichten neun weitere erfolgreiche Frauen in der Welt am Sonntag von den Widerständen auf dem Weg nach oben. Und was sich dringend ändern muss. Unter ihnen ist auch die ehemalige Chefredakteurin Beate Wedekind. Über ihre frühere Karriere als zeitweise fünffache Blattmacherin sagt sie: „Es war eine – sorry – geile Zeit. Und geackert habe ich wie ein Stier.“

Das Thema Kinder habe sie für die Karriere zurückgestellt. Sie verzichtete, für den Erfolg. Wedekind: „Natürlich wollte ich damals auch eine Familie gründen. Ich hätte mich dann aber entscheiden müssen zwischen Karriere und Kind. Beides unter einen Hut zu bringen, das traute ich mir dann doch nicht zu. Vorsichtshalber verliebte ich mich meist in verheiratete Männer und ließ in den Jahren meiner größten Erfolge mehr als ein Kind abtreiben – es ist mir heute vollkommen unverständlich, wie kalt mich das damals ließ.“

Jette Joop, bekannte Designerin, kann ebenfalls ein Lied davon singen, wie schwer es 2015 immer noch für Frauen ist, eine Karriere, Erfolg zu haben und Privatleben mit dem Beruf zu vereinen.

Der Welt am Sonntag sagt sie: „Manche Männer finden eine erfolgreiche Frau zunächst attraktiv. Klar, Erfolg wirkt oft reizvoll von außen. Am Ende aber ist es für den Mann nichts anderes, als wenn eine Frau mit einem Vorstand eines Unternehmens lebt: Es gibt eine Menge Einschränkungen. Das führt zu Überraschungen. Wenn ein Geschäftsmann etwa aufgrund seiner Tätigkeit zu Hause nicht alles erledigen kann, nimmt ihm das keiner übel. Wenn eine Frau es einfach nicht hinkriegt, den Kram aus der Reinigung abzuholen, gibt es Streit.“

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