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Dopingkampf bei den Jugendspielen

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21.01.2012

Olympia Dopingkampf bei den Jugendspielen

Junge Aufklärer aus ganz Europa widmen sich Arbeit für sauberen Sport.

Innsbruck – 63 Medaillenwettbewerbe, 252 Dopingkontrollen: Bei den ersten Olympischen Winterjugendspielen setzten die Verantwortlichen nicht allein auf das Vertrauen in die jungen Sportler. “Das hat etwas mit Erziehung zur Fairness zu tun. Vier Personen pro Wettkampf werden getestet. Aber die Ergebnisse werden wir erst nach den Spielen bekannt geben”, sagt Peter Bayer, Geschäftsführer von Innsbruck 2012. Den Griff zu verbotenen Mitteln soll ein Pilotprojekt mit rund 50 Anti-Doping-Junior-Botschaftern aus ganz Europa bereits im Ansatz verhindern. Doch die Initiative steht vor dem Aus. In Innsbruck haben sich die Botschafter vorerst zum letzten Mal getroffen.

Gerhard Treutlein ist einer der Koordinatoren bei dem Europäischen Anti-Doping-Projekt EADIn. Der Wissenschaftler vom Heidelberger Zentrum für Dopingprävention hat die Ausbildung von insgesamt sechs jungen deutschen Athleten zu Junior-Botschaftern begleitet. Sie wurden unter anderem im Argumentieren trainiert und haben bei Seminaren, an Schulen und in Vereinen für einen sauberen Sport geworben und viele andere junge Sportler für ihre Sache gewonnen. Die Idee dahinter: “Wenn sich in jugendlichen Gruppen Wortführer finden, schließen sich ihnen andere an”, sagt Treutlein.

“Wir haben ein echtes Problem.”

Für den 70-Jährigen ist klar: “Wir haben ein echtes Problem.” Er schenkt der Meinung, Doping sei vor allem in anderen Ländern verbreitet, keinen Glauben: “Wenn die Leute sagen ‘hier dopen weniger als ein Prozent, daher sind die deutschen Athleten die besten und saubersten’, dann stimmt das so nicht.” Der Wissenschaftler stützt sich auf eine Studie aus dem Jahr 2009. Demnach nutzen rund sieben Prozent der jugendlichen Leistungssportler in Deutschland Dopingmittel. Eine andere Studie aus dem Jahr 2005 war zu dem Ergebnis gekommen, dass mindestens 25 Prozent der Spitzensportler in Deutschland schon einmal gedopt haben.

Auch bei den ersten Olympischen Sommerjugendspielen 2010 in Singapur gab es zwei Dopingfälle. Ein Ringer aus Usbekistan und ein Ringer aus Ecuador waren von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) positiv getestet und anschließend disqualifiziert worden.

Vorerst keine EU-Fördergelder mehr

Um solche Fälle künftig zu verhindern, haben mehrere europäische Partnerorganisationen wie die Deutsche Sportjugend oder das Nationale Olympische Komitee Frankreichs seit Dezember 2010 eng zusammengearbeitet und junge Sportler für die Präventionsarbeit in ihren Ländern geschult. Doch das Projekt ist nur bis März befristet. Danach fließen keine EU-Fördergelder mehr. Die Konferenz der Junior-Botschafter in Innsbruck, bei der es unter anderem um einen abschließenden Erfahrungsaustausch ging, war damit vorerst das letzte Treffen im Rahmen der Initiative. “Man muss jetzt eben gucken, dass man erfinderisch wird, um sie weiterführen zu können”, sagt Ingo Weiss.

Der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend ist von dem Projekt überzeugt: “Jugendliche erreichen Jugendliche besser. Respektpersonen wie Trainer oder Vorsitzende haben es da schwerer.” Das sieht der 20 Jahre alte deutsche Junior-Botschafter Moritz Belmann ähnlich: “Den Leistungsdruck in Schule und Sport kennen wir besser als ein 50-Jähriger, der seit Jahren im Berufsleben steht, und über diesen Druck referiert.” Belmann betreibt als Judoka selbst Leistungssport. Daher sagt er: “Ich kenne die Frage: Wo möchte ich hin und was gebe ich dafür auf.” Der Student aus der Nähe von Münster will bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage helfen, betont aber: “Sie darf nicht dazu führen, dass die Gesundheit aufgegeben wird.”

Dass das Projekt vor dem Aus steht, ist für ihn wie viele andere Botschafter eine bittere Wahrheit. Der französische Junior-Botschafter Jacquemin Morgan (23) hat bereits angekündigt: “Wir wollen weitermachen, auch wenn wir die Fördergelder selbst eintreiben müssen.”

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