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Dilettanten gelang Millionencoup

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18.02.2012

Kriminalgeschichte Dilettanten gelang Millionencoup

Frankfurter Vorstadttrio erbäutete bislang größte Bargeldsumme in der deutschen Kriminalgeschichte.

Frankfurt/Main – Obwohl die Planung des größten Bargeldraubs in der deutschen Kriminalgeschichte am 25. Februar 2002 dilettantisch war, sind bis heute große Teile der Beute verschwunden. Etwa zwei der 8,6 Millionen Euro aus dem Überfall eines Geldtransporters seien noch verschwunden, sagt Andre Sturmeit, der damals bei der Frankfurter Polizei der “Soko Nied” angehörte und sich auch zehn Jahre nach dem Überfall noch gut an die Ermittlungen erinnert: “Die Täter waren gelinde gesagt dümmer als die Polizei erlaubt.”

Der Geldtransporter der Firma Securitas war an jenem Morgen auf dem Betriebsgelände im Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach gestartet. Faouzi Boudou und sein Beifahrer klapperten verschiedene Banken im Stadtgebiet ab. Nahe der Messe wich Boudou unter einem Vorwand von der Route ab, lenkte den Geldtransporter auf einen Parkplatz am Rebstockgelände und bedrohte seinen Beifahrer mit einer Waffe. Der 25-Jährige legte seinem überrumpelten Kollegen Handschellen an und sperrte ihn im hinteren Teil des Wagens ein.

Spätestens dann ging die Stümperei los. Boudou lenkte den Transporter in den Stadtteil Nied, wo er und die beiden anderen Haupttäter zu Hause waren. “Sie sind quasi direkt in ihr persönliches Umfeld gefahren”, erinnert sich Sturmeit. In der Tiefgarage eines Supermarkts hatte ein Bekannter von Gerardo Sabatino, einem weiteren Haupttäter, einen Stellplatz angemietet. Da der Zugang zur Tiefgarage nur mit einem Schlüssel möglich war, konnten die Ermittler den Kreis der Verdächtigen rasch einschränken.

Beim Umladen der Beute passierte das nächste Malheur: Etwa 1,5 Millionen Euro und eine der Tatwaffen blieben im Geldtransporter zurück. Die Beute reduzierte sich dadurch von mehr als zehn auf 8,6 Millionen Euro. “Wir haben nie klären können, warum sie das Geld vergessen haben, vielleicht wurden sie beim Umladen gestört”, vermutet Sturmeit.

Die Täter aber waren schnell ermittelt, vor allem, weil alle Beteiligten bei der Polizei wegen zahlreicher Vergehen bekannt waren. Ein Umstand, der vor allem die betroffene Firma Securitas in Erklärungsnöte brachte. “Ein solcher Überfall wäre heute nicht mehr möglich”, ist sich Harald Olschock von der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Werttransportunternehmen (BDGW) sicher. Die Sicherheitsmaßnahmen seien deutlich verbessert worden. Die Transporter wurden flächendeckend mit GPS ausgerüstet, die baulich-technischen Maßnahmen an den Transportern und bei der Überwachung weiter entwickelt.

Der Überfall im Februar 2002 war auch einem ganz besonderen Umstand geschuldet: der Einführung des Euro. “Die Unternehmen mussten alle Banken und Geldautomaten mit der neuen Währung bestücken und hatten dadurch besondere Hektik”, glaubt BDGW-Geschäftsführer Ohlschock. Dadurch wurde das Personal offenbar weniger gründlich überprüft.

Nicht zuletzt deshalb hatten Überfälle auf Geldtransporter vor zehn Jahren Hochkonjunktur. Alleine in den ersten zwei Monaten 2002 wurden zehn Geldtransporter ausgeraubt, im gesamten Jahr 2010 waren es nur zwei.

Den Räubern des größten aller Überfälle brachte ihr Coup nicht viel Glück. Boudou wurde in Marokko zu 15 Jahren Haft verurteilt und sitzt heute noch in Frankreich ein, seine beiden Komplizen wurden in Italien geschnappt und dort 2003 zu je sieben Jahren Haft verurteilt. Auch zahlreiche Helfer, die Fahrzeuge angemietet hatten oder die Beute nach Italien schaffen sollten, wurden gefasst. Ein Teil der Beute fand sich bei den Geldkurieren, etwa eine Million hatten die Täter versucht, in Wäschetrocknern auf einem Transporter nach Italien zu bringen.

Hoffnung, die rund zwei Millionen Euro zu finden, die noch fehlen, gibt es keine mehr. “Für uns ist der Fall abgeschlossen”, sagt eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft.

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