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29.08.2010

DIHK-Präsident Bundeswehr ist “Sanierungsfall”

Berlin – Die Bundeswehr ist nach Ansicht des Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann, ein „Sanierungsfall“. „Die Armee muss sich dringend den neuen Anforderungen stellen“, sagte Driftmann, der auch Vize-Vorsitzender der Expertenkommission zur Reform der Bundeswehr ist, in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Focus“. „Dabei geht es um unsere ureigenen legitimen Interessen – auch die der Wirtschaft.“ Für den Exportvizeweltmeister Deutschland „wäre es eine Katastrophe, wenn die Handelswege, insbesondere nach Süd-Ost-Asien dauerhaft eingeschränkt oder bedroht wären“, so Driftmann. „Die dürfen wir nicht Piraten überlassen.“

Die USA habe seit der Finanzkrise als Absatzmarkt für die deutsche Wirtschaft an Bedeutung verloren. „Stattdessen engagieren wir uns jetzt stärker in Süd-Ost-Asien und Teilen Südamerikas. Wenn also die Schifffahrts- und Handelswege dorthin nicht mehr sicher sind, was glauben Sie, was wir hierzulande für Probleme bekommen“, sagte der DIHK-Präsident. „Nicht nur wirtschaftliche, sondern auch haushalts­politische, arbeitmarktpolitische und gesamtgesellschaftliche. Auch für diese Aufgabe brauchen wir die Bundeswehr.“

Driftmann, der vor seinem Eintritt in das Unternehmen der Familie seiner Frau bei der Bundeswehr und im Verteidigungsministerium Karriere gemacht hat, äußerte in „Focus“ massive Kritik am Zustand der Bundeswehr: „Wir haben heute eine relativ große Armee – allerdings sind von den 250.000 Soldaten auf dem Papier faktisch nur maximal 8000 einsatzbereit. Mehr kann man zum Beispiel gar nicht gleichzeitig in Auslandseinsätze schicken. Das ist bitter wenig.“

Die Bundeswehr muss nach den Worten des DIHK-Chefs auch die Ausrüstungsbestellungen verbessern. „Bisher ordern die Führungs­stäbe maßgeschneiderte Ausrüstung – am liebsten noch mit Goldrand“, kritisierte er. „Nirgendwo auf der Welt wird so detailliert Ausrüstung bestellt wie hier. Und wenn sie dann endlich fertig ist – nach Jahrzehnten, ist sie unter Umständen schon wieder veraltet. Das müssen wir ändern.“

Das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung mit seinen 8500 Mitarbeitern sei wesentlich größer als die Einkaufsabteilungen selbst in deutschen Groß-Unternehmen. Diese wickelten vergleichbare Volumen mit gerade mal zehn Prozent des Personals ab. „Der Tanker Bundeswehr ist zu schwerfällig. Er muss schlanker und effizienter werden“, sagte Driftmann.

„Das gilt auch für das Ministerium: Wir haben in der Kommission konkrete Vorstellungen davon, wie man das Verteidigungsministerium verschlanken muss. Das ist ja sehr, sehr groß. Das kann man leicht halbieren.“ Die Führungsstäbe der Teilstreitkräfte gehörten nicht ins Ministerium.

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