Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Politik - newsburger.de

Bundesagentur für Arbeit

© über dts Nachrichtenagentur

18.01.2015

Digitalisierung Wirtschaftsressort zweifelt an Merkels Jobprognose

„Intelligente Technik droht den Arbeitsmarkt zu spalten.“

Berlin – Das Bundeswirtschaftsministerium stellt die Zusage von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Frage, die Digitalisierung schaffe unter dem Strich mehr neue Arbeitsplätze als durch den Einsatz von Robotern und neuen Technologien verloren gehen.

Der Saldo aus neu entstehenden und wegfallenden Arbeitsplätzen durch Digitalisierung sei wegen der Vielzahl von Einflussfaktoren und möglichen Zukunftsentwicklungen „nur unter bestimmten Bedingungen abschätzbar“, erklärte Wirtschaftsstaatssekretär Uwe Beckmeyer auf eine schriftliche Anfrage der Grünen, berichtet die „Welt am Sonntag“.

„Prognosen für die Entwicklung des Arbeitsmarktes sind angesichts dieses noch recht jungen Trends mit großen Unsicherheiten verbunden“, heißt es demnach in Beckmeyers Antwort. Die besonderen Folgen der Digitalisierung abzuschätzen, dürfte noch schwieriger sein, als herkömmliche Arbeitsmarktprognosen abzugeben, da politisch beeinflussbare Faktoren wie Wirtschaftsförderung und Bildungsmöglichkeiten mitwirkten, heiße es aus dem Wirtschaftsressort.

Selbst eine detaillierte Analyse im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums habe keine Einzeleffekte auf den künftigen Arbeitsmarkt vorhersagen können. So könne es im Übergang durchaus zu einer negativen Bilanz kommen, schreibt der SPD-Politiker Beckmeyer der Zeitung zufolge. Die historische Rückschau zeige aber, dass technologische Innovationen in der Gesamtbilanz langfristig zum Beschäftigungsaufbau geführt hätten.

Damit sieht das Wirtschaftsressort von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) keine belastbaren Belege für eines der zentralen Zukunftsversprechen der Bundeskanzlerin. Merkel hatte am 4. Dezember auf einem internationalen Kongress zur Digitalisierung in Berlin gesagt: „Auf jeden Fall erfordert eine Prosperität Europas eine positive Einstellung zu den technischen Möglichkeiten der digitalen Welt, denn hier werden weit mehr Jobs entstehen, als Jobs wegfallen durch Digitalisierung in der klassischen Wirtschaft.“

Die Jobzusage war damals von den Nachrichtenagenturen aufgegriffen worden und findet sich bis heute als eine der wichtigsten Botschaften des Auftritts auf der offiziellen Internet-Seite der Bundesregierung.

„Die Bundeskanzlerin verspricht blühende Landschaften für alle und ignoriert damit die Realität“, kritisiert der Grünen-Wirtschaftsexperte Dieter Janecek, der in seiner schriftlichen Anfrage an das Wirtschaftsressort wissen wollte, auf welche Daten sich Merkel mit ihrem Jobversprechen gestützt hatte.

„Intelligente Technik droht den Arbeitsmarkt zu spalten in diejenigen mit den hoch bezahlten Jobs, die dem Computer Befehle geben, und eine breite Schar an Niedriglöhnern, die die Befehle erhalten.“

Leistungsfähige Algorithmen hätten bereits begonnen, ganze Berufsfelder wie Statistiker, Bahnschaffner und Steuerberater zu verdrängen. „Die Bundesregierung schweigt diese Herausforderungen lieber tot, anstatt sich damit auseinanderzusetzen.“

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+

© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/digitalisierung-wirtschaftsressort-zweifelt-an-merkels-jobprognose-76859.html

Weitere Nachrichten

Katja Kipping Linke

© Blömke / Kosinsky / Tschöpe / CC BY-SA 3.0 DE

Linke SPD-Gesetz zu Managergehältern nur ein kleiner Schritt

Die Bundesvorsitzende der Linken, Katja Kipping, ist unzufrieden mit dem Gesetzentwurf der SPD zur Begrenzung von Managergehältern. "Es sind leider nur ...

Martin Schulz SPD

© Foto-AG Gymnasium Melle / CC BY-SA 3.0

CDU-Politiker Reul SPD-Kanzler-Kandidat Schulz ein „selbstverliebter Egomane“

Der Vorsitzende der CDU/CSU im Europäischen Parlament, Herbert Reul, hat massive Kritik an SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und dessen Plan geübt, die ...

Christian Lindner FDP 2013

© Gerd Seidel (Rob Irgendwer) / CC BY-SA 3.0

FDP-Chef Lindner Nur im Verdachtsfall Zugriff auf Handys von Asylbewerbern

Der Bundesvorsitzende der FDP, Christian Lindner, hat den Zugriff auf Mobiltelefone von Asylbewerbern im Einzelfall befürwortet, um deren Identität besser ...

Weitere Schlagzeilen