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Alles im Griff

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09.02.2012

Dieter Zetsche Alles im Griff

Der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche ist dem Konzern seit 36 Jahren treu.

Stuttgart – Ein bisschen Selbstzufriedenheit konnte sich Dieter Zetsche bei der Vorstellung der Daimler-Zahlen von 2011 gönnen. “Wir hatten uns für 2011 viel vorgenommen – und wir haben es mehr als erreicht”, sagte der Vorstandsvorsitzende des Autokonzerns angesichts von Rekordwerten bei Umsatz, Absatz und Ergebnis. Vom Aufräumer zum Innovator – die Aufgaben von Zetsche an der Daimler-Spitze haben sich damit grundlegend gewandelt. Der 58-jährige Manager reduzierte den Konzern auf das Wesentliche und manövrierte ihn durch die Finanzkrise. Heute treibt er den Ausbau alternativer Antriebe und die Kooperation mit anderen Unternehmen voran.

Zetsche übernahm den Vorstandsvorsitz der damaligen DaimlerChrysler-Gruppe zum 1. Januar 2006. In seiner Jugend und während des Studiums war er Dressurreiter bei Turnieren – auch den Konzern bekam er schnell in den Griff. Den unter Vorgänger Jürgen Schrempp eingeleiteten Kurs setzte er fort und baute tausende Verwaltungsstellen ab. Die Gruppe reduzierte weiter ihre Anteile an dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. 2007 folgte dann die Trennung von Chrysler.

Nach dem Aufräumen kam die Krise – und Daimler ins Straucheln. Aber schon 2010 wurde Daimler kurzzeitig zum profitabelsten der großen Autokonzerne – und Zetsche konnte sein Gehalt auf 8,7 Millionen Euro verdoppeln. Er widmete sich zunehmend anderen Aufgaben: Kooperationen und Innovationen. Unter dem in Istanbul geborenen und bei Frankfurt am Main aufgewachsenen Firmenchef tat sich Daimler in Kooperationen beispielsweise mit Renault-Nissan, Bosch oder dem chinesischen Hersteller BYD zusammen.

Mit einer Innovation startete Zetsche bereits zu seinem Konzerneintritt im Jahr 1976 in die damalige Daimler-Benz AG. In seiner Diplomarbeit schlug er zur Regelung des Kurvenverhaltens von Fahrzeugen ein computergesteuertes Verfahren vor. Die Idee baute er in seiner Dissertation an der Universität Paderborn theoretisch aus. Mercedes-Benz nutzte die Technologie später als “Active Body Control” in seinen S-Klasse-Modellen.

Bei der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt im vergangenen Jahr machte er aus seiner Begeisterung für Neues keinen Hehl. Zur Vorstellung des Forschungsfahrzeuges “F 125″, das auf einen Brennstoffzellenantrieb setzt, sagte er, die Brennstoffzelle sei eine Technologie, “mit deren Hilfe Wasserstoff in unserer Wirtschaft eine ähnlich zentrale Rolle übernehmen könnte, wie sie bisher das Öl hat”. Daimler ist der erste Konzern, der wasserstoffbetriebene Fahrzeuge ab 2014 in Serie fertigen will.

Vom ADAC ist Zetsche erst im Januar für sein “herausragendes Engagement” für die Entwicklung alternativer Antriebe zur “Persönlichkeit 2012” gekürt worden. Der “Gelbe Engel” des Automobilclubs ist zwar ein Jubelpreis der Branche, zeigt aber doch die Kultur unter Zetsche: Daimler, Erfinder des Automobils, will auch bei den Entwicklungen der Zukunft noch ein Wörtchen mitreden.

Auch in der Politik ist Zetsche ein gefragter Gesprächspartner geworden. Der einflussreiche Manager hat sich öffentlich gegen eine Frauenquote ausgesprochen. “Wohin soll ich all die Männer aussortieren?”, lästerte er angesichts des Vorschlags von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), in den nächsten Jahren ein Drittel der Vorstandsposten mit Frauen zu besetzen. Zudem setzte er sich vehement für das Bahnhofsprojekt “Stuttgart 21″ ein.

Vermutlich wird Zetsche noch eine Weile mitreden. Auch wenn der Daimler-Produktionsvorstand Wolfgang Bernhard als Kronprinz Zetsches gehandelt wird und erst Anfang der Woche mit einer Vertragsverlängerung belohnt wurde: Es gilt als wahrscheinlich, dass Zetsches im Jahr 2013 auslaufender Vertrag nochmals verlängert wird.

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