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Die neue Hertha-Formel

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24.02.2012

"König Otto" Die neue Hertha-Formel

Rehhagel dirigiert, „spiritus rector“ Raffael inspiriert – „Ich weiß, was wichtig ist“.

Berlin – Seit Montag hält Otto Rehhagel den Taktstock bei der Hertha fest in der Hand. Das bekam nun auch Michael Preetz zu spüren. Als der Berliner Manager am Donnerstag die Frage eines Journalisten, ob er denn von dem angeblichen Interesse eines englischen Top-Klubs an Hertha-Spielmacher Raffael wisse, knapp mit einem „nein“ beantwortet hatte, wurde es Rehhagel zu bunt. „Michael, Du brauchst diese Frage gar nicht zu beantworten“, stellte der neue Berliner Trainer mit erhobenem Zeigefinger klar. Preetz wies zwar noch darauf hin, dass er der Frage die knappest mögliche Antwort entgegnet habe, aber auch das war „König Otto“ im Grunde genommen schon zu viel.

Vor dem richtungsweisenden Bundesligaspiel am Samstag beim FC Augsburg wollte Rehhagel noch einmal das in Erinnerung rufen, was er bei seiner Vorstellung schon einmal betont hatte: „Es geht jetzt nur um Hertha BSC.“ Nach fünf Niederlagen und elf sieglosen Spielen in Folge ist die Stimmung in der Hauptstadt auf dem Nullpunkt. Ein zweiter Abstieg nach 2010 würde in einem finanziellen Desaster enden. Und keiner glaubt daran, dass noch einmal 60.000 Berliner zu bewegen sind, sich gegen einen Gegner wie Paderborn ins Olympiastadion zu begeben.

Deshalb kennt Rehhagel nur eine Blickrichtung – und zwar die, die weggeht vom Schreckgespenst Liga zwei. „Wir alle hier haben nur Freude, wenn die Hertha in der Bundesliga bleibt. Ich bin jetzt für drei Monate hier und ich habe dem Verein gesagt, ich bin Tag und Nacht für euch da.“ Der Lösungsansatz des 73-Jährigen ist denkbar einfach: „Wir haben drei Vereine hinter uns, da müssen wir sehen, dass wir unsere jetzige Position verteidigen.“

Illusionen gibt sich der Meistertrainer allerdings nicht hin. Wunderdinge wie den Europameistertitel mit Griechenland 2004 kann auch er nicht mit Regelmäßigkeit vollbringen. Und ein Allheilmittel hat er nach eigener Aussage sowieso nicht parat. Die Mannschaft komplett umstellen fällt ob der personellen Situation ohnehin flach. Was also tun in der kurzen Zeit? „Ich weiß, was wichtig ist. Aber die Spieler sind die Protagonisten“, sagte Rehhagel. Er setzt dabei auf Spielmacher Raffael, den „exzellenten und außergewöhnlichen“ Fußballer, den „spiritus rector“, der dank seiner Klasse „Zeichen setzen und die Leute in Szene setzen muss“. Ein verlängerter Arm auf dem Platz wie seinerzeit Ciriaco Sforza beim 1. FC Kaiserslautern, den er gern „mein Quarterback“ nannte.

Rehhagel will den neuralgischen Stellen im Hertha-Gebilde Leben einhauchen, ohne aber die Arbeiter im Team zu vernachlässigen. Taktgeber Rehhagel dirigiert, Spielmacher Raffael soll die Mannschaft inspirieren. So könnte die Hertha-Formel lauten. „Ich habe Raffael gesagt, dass Messi ein Superstar ist. Aber er stellt sein Können in den Dienst der Mannschaft, und deshalb ist der FC Barcelona so gut. Die Mannschaft braucht dich.“ Denn mindestens genauso wichtig sind dem Trainer-Routinier „die Spieler, die nach dem Spiel unter den TV-Kameras wegtauchen müssen, weil sie nicht gefragt werden.“

Als gewitzter Dirigent im Vordergrund hat Rehhagel bisher das erreicht, was er wollte: Die Medien haben den Fokus auf ihn und von der Mannschaft weg verlegt. Am Erfolg seiner Berliner Mission zweifeln wohl nur wenige. Am wenigsten die Spieler, die von der Lockerheit in der täglichen Trainingsarbeit begeistert sind und nur lobende Worte parat haben. Er grinse sogar gelegentlich während der Einheiten, erzähle auch einmal etwas von früher.

Die Vorschusslorbeeren sind groß. Für den Fußballlehrer stellt der Druck kein Problem dar: „Ich habe nichts zu verlieren in meinem Leben, ich habe alles gewonnen.“ Und dann ist plötzlich Schluss mit Fragen. „Okay, damit beende ich die Pressekonferenz.“

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