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Die Ligaspitze ist konstanter als im Vorjahr

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12.02.2012

Hans-Joachim Watzke Die Ligaspitze ist konstanter als im Vorjahr

“Wir schauen jetzt nicht in den Mai, sondern weiter von Spiel zu Spiel”.

Berlin – Vor einem Jahr hatten wir nach 21 Spieltagen 51 Punkte und 12 Punkte Vorsprung auf Platz 2, den damals Leverkusen belegte. Heute haben wir 46 Punkte auf dem Konto und 13 Punkte Vorsprung auf Platz fünf. Das zeigt, wie sich die Bundesliga verändert hat. Die anderen Spitzenteams, Bayern, Gladbach, auch Schalke, sind konstanter als vor einem Jahr.

Wir sprechen jetzt nicht von der Meisterschaft oder dem Pokalsieg. Entscheidend ist, dass wir unser Niveau stabilisieren konnten. Wir waren überzeugt, dass wir auch nach dem Wechsel von Nuri Sahin unser Niveau halten konnten. Wir wussten auch, dass wir nach der überragenden Meisterschaft, die unseren jungen Spieler erst verarbeiten mussten, einen Stotterstart hinlegen werden. Fraglich für uns war, wie der Körper mit der hohen Belastung umgeht. Sven Bender und Marcel Schmelzer fielen zum Beispiel wochenlang aus.

Wir wussten, dass wir in der Champions League Probleme bekommen würden. Gerade Michael Zorc, der viel Erfahrung hat und weiß, worauf es international ankommt, hat darauf hingewiesen. Aber wir wollten die funktionierende Mannschaft nicht gefährden. Dort Erfahrung einzubauen ist nicht einfach, wie bei Michael Ballack und Leverkusen zu sehen ist. Uns war wichtiger, unsere Spieler entwickeln zu lassen und ihnen die Chance zu geben, die Erfahrung selber machen zu können. Ich weiß noch genau, wie es bei den Bayern war. Sie wurden 1969 erstmals Meister und brauchten mit ihrer jungen Mannschaft fünf Jahre, bis sie den Europapokal gewinnen konnten. Dazwischen lag zum Beispiel ein bitteres 0:4 bei Ajax Amsterdam.

Wichtig ist, dass wir unseren Spielstil perfektionieren und darauf aufbauen. Dieser Stil muss wiederum zum Verein passen. In Dortmund ist Hoppy Kurrat noch heute eine lokale Größe, weil er immer mit Hingabe und Leidenschaft gespielt und sich in jeden Zweikampf geworfen hat. Im Gegensatz zu den Bayern polarisieren wir nicht. Wir spielen mit Hingabe Fußball und gewinnen immer mehr Fans dazu. Das wollen wir weiter auf- und ausbauen. Borussia Mönchengladbach zehrt heute noch von dem Ruf, den Hennes Weisweiler und Günter Netzer geprägt haben. Die sogenannte Fohlenelf stand auch für eine besondere Art von Fußball und fand Sympathien weit über die deutschen Grenzen hinaus. Sich daran zu orientieren, eine eigene Kultur zu entwickeln, ist unsere Messlatte.

Deshalb ist auch die Verpflichtung von Marco Reus kein Strategie- oder Philosophie-Wechsel. Er passt – trotz der hohen Ablösesumme – in unser Beuteschema und stand bei uns schon seit September auf dem Zettel. Er ist jung, passt zu unserem Spielstil, laufstark, schnell und dazu ein Dortmunder Junge, der die Identifikation weiter erhöhen wird. Auch ihm fehlt übrigens die internationale Erfahrung. Deshalb war seine Verpflichtung keine Konsequenz aus dem Scheitern in der Champions League, sondern die natürliche Weiterentwicklung unserer Spielauffassung, die wir nun seit Jahren konsequent durchziehen.

Dass wir nach 21 Spieltagen erneut vor den Bayern stehen, ist eine Momentaufnahme. Wir schauen jetzt nicht in den Mai, sondern weiter von Spiel zu Spiel. Wichtig ist – auch aus finanziellen Gründen – dass wir erneut die Champions League erreichen. Ob uns Meisterschaft oder Pokalsieg sympathischer wären, ist alles hypothetisch. Der Pokal interessiert uns erst wieder im März, wenn wir in Fürth antreten müssen. Das ist ein gefühlter Erstligist, der bereits in Nürnberg und in Hoffenheim gewonnen hat und die einmalige Chance hat, sich durch einen Sieg über uns für den Europapokal zu qualifizieren.

Berlin interessiert mich jetzt nur mit Blickrichtung nächstes Wochenende. Da müssen wir bei Hertha antreten.

Hans-Joachim Watzke gehört zum Experten-Kreis der dapd Nachrichtenagentur, der nach jedem Bundesliga-Spieltag die Ereignisse aus Insider-Sicht beleuchtet.

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