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Die kosmische First Lady

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02.03.2012

Walentina Tereschkowa Die kosmische First Lady

Kosmonautin Walentina Tereschkowa wird 75 – Erste Frau im Weltall.

Berlin – Die Idee stammte von Nikita Chruschtschow persönlich: Nach Juri Gagarin, dem ersten Mann im Weltraum, sollte auch die erste Frau im All eine Russin sein. Der sowjetische KP-Chef legte auch gleich die Auswahlkriterien fest. Die erste Kosmonautin sollte eine einfache Arbeiterin sein. So wollte er vor aller Welt demonstrieren, dass im Sozialismus jedem alle Wege bis ins All offen stehen. Aus den Tausenden Bewerberinnen, die ab Sommer 1961 an den Kreml schrieben, wurden fünf ausgewählt, darunter Walentina Tereschkowa.

Die damals 26-jährige Weberin ist dann am 16. Juni 1963 in den Weltraum gestartet. Den Ausschlag für ihre Nominierung als kosmische First Lady gaben aber nicht ihre Trainingsleistungen, die zudem nicht immer die besten waren, sondern, wie von Chruschtschow gefordert, ihre proletarische Herkunft und ihre politischen Erfahrungen als Komsomolfunktionärin. Die anderen vier Kandidatinnen, die bereits ein Hochschuldiplom hatten oder kurz vor Aufnahme eines Studiums standen, waren dagegen chancenlos. Chefkonstrukteur Sergej Koroljow, der Irina Solowjowa und Walentina Ponomarjowa favorisiert hatte, musste sich fügen.

Funk-Code „Tschaika – Möve“

Der Flug der „Tschaika – Möwe“, wie Tereschkowas selbstgewählter Funk-Code lautete, verlief nicht ganz nach Plan. Die Kosmonautin missachtete mehrfach Weisungen, hatte mit einem schmerzhaft drückenden Helm zu kämpfen, den sie die ganzen drei Tage nicht absetzen durfte, mäkelte über die Kosmosnahrung und nickte auch schon mal zur Unzeit ein, sodass man sich auf der Erde sorgenvoll fragte, ob ihr vielleicht etwas zugestoßen sei. Koroljow dachte deshalb sogar darüber nach, den Flug zu verkürzen. Entnervt schwor er nach der Fallschirmlandung der Kosmonautin am 19. Juni: „Mir kommen keine Weiber mehr ins All!“

Bis heute wird gerätselt, was genau in die couragierte und selbstbewusste Frau gefahren war. Vielleicht ist ein Vorfall der Grund, den Tereschkowa erst 2007 enthüllte: Wegen einer „Ungenauigkeit“ im automatischen Programm sei das Raumschiff immer höher gestiegen. Erst am zweiten Flugtag sei es gelungen, den Fehler zu korrigieren. Koroljow persönlich habe sie damals gebeten, über diesen Vorfall Stillschweigen zu bewahren.

Nach Koroljows Schelte ist die weibliche Kosmonautengruppe bald aufgelöst worden. Mit Swetlana Sawizkaja wurde erst 1982 wieder eine Frau in den Weltraum geschickt. Ihr folgte 1994 Jelena Kondakowa als dritte und vorerst letzte Russin, während die Amerikaner zehnmal mehr Astronautinnen haben.

Duma-Abgeordnete für Putins Partei

Nach ihrem Flug ging Tereschkowa in die Politik. Sie war zu Sowjetzeiten Parlamentsabgeordnete und Mitglied des KPdSU-Zentralkomitees. Nach dem Zerfall der UdSSR leitete sie von 1994 bis 2004 mit großem Erfolg das Russische Zentrum für internationale kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit. In dieser Eigenschaft war sie auch zeitweilig oberste Chefin ihres Raumfahrerkollegen Waleri Bykowski.

Der Dreifach-Kosmonaut, der 1978 mit Sigmund Jähn als erstem Deutschen eine Woche lang im All war, leitete Ende der 1980er Jahr das Haus der sowjetischen Wissenschaften und Kultur in Ost-Berlin. In Anspielung auf ihren nicht ganz so gelungenen Flug hat Koroljows Stellvertreter Boris Tschertok der Kosmonautin einmal anerkennend bescheinigt, wenigstens in ihrer gesellschaftlichen und staatlichen Tätigkeit „wahrlich kosmische Höhen“ erklommen zu haben.

Auch heute ist Tereschkowa noch politisch aktiv. Sie sitzt für Wladimir Putins Partei „Einiges Russland“ in der Duma ihres Heimatgebietes Jaroslawl.

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