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„Die heile Welt ist definitiv nicht mehr vorhanden

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01.04.2012

Emden „Die heile Welt ist definitiv nicht mehr vorhanden“

Emder gedenken der ermordeten Lena – Lichtermeer vor Parkhaus wird immer größer.

Emden – Ein Meer aus Kerzen, Plüschtieren, Blumen und Briefen: Vor dem Eingang des Parkhauses am Wasserturm im Emden, wo die elfjährige Lena vor gut einer Woche ermordet wurde, trauern Menschen auch an diesem Sonntag. Die fünfjährige Laura stellt ein großes Grablicht auf den Boden, ihr Opa zündet es an. Er ist Nachbar von Lenas Familie, sah das ermordete Mädchen jeden Tag. Der ältere Herr hofft, dass die Polizei nach der ersten Ermittlungspanne nun den Richtigen festgenommen hat.

Lena war am 24. März in dem Parkhaus tot aufgefunden worden. Der Mord und die Arbeit der Polizei ist in der knapp 52.000 Einwohner zählenden Kleinstadt immer noch das wichtigste Gesprächsthema. Viele Menschen kommen am Sonntag am Parkhaus vorbei, bleiben vor den Lichtern stehen. Helmut Janssen, der mit seinem Fahrrad unterwegs ist, ist sich sicher, dass die Polizei nun den Täter gefasst hat. Der genetische Fingerabdruck sei eindeutig. „Der ist chancenlos“, glaubt der ältere Herr.

Polizei muss sich in aller Form entschuldigen

Das Amtsgericht erließ gegen den am Samstag festgenommenen 18-Jährigen Haftbefehl wegen Mordverdachts. Die Polizei hatte einen zunächst verdächtigten 17-Jährigen Tags zuvor aus der Untersuchungshaft entlassen. Janssen sagt, von der Polizei erwarte er nun, dass sie sich „in aller Form“ bei dem 17-Jährigen entschuldige. „Dann kann sie noch von ihrem friesischen Dilettantismus rehabilitiert werden“, fügt er hinzu. Dem Jugendlichen rät er, ganz offensiv mit seinem Erlebten umzugehen.

Janssen ist überwältigt vom Lichtermeer vor dem Parkhaus. „Das ist enorm“, sagt er. Emden habe so etwas noch nicht erlebt. Eine ältere Dame kommt mit ihrem Enkel auf dem Weg ins Kino vorbei, sagt ihm, was dort passiert ist. „Ich hoffe, sie haben ihn jetzt“, betont sie. Skepsis schwingt in ihrer Stimme mit.

„Eltern von Lena brauchen Gewissheit“

Ein Mann mit einer Sporttasche in der Hand bleibt auf dem Weg zu seinem im Parkhaus abgestellten Auto vor den vielen Grablichtern stehen. Die erneute Festnahme sei gerade noch rechtzeitig gekommen, um den 17-Jährigen rehabilitieren zu können, sagt der zweifache Familienvater. „Emden ist eine Kleinstadt“, sagt der Mann, „der ist gebrandmarkt.“ Er hoffe für die Eltern von Lena, dass nicht noch einmal so eine Ermittlungspanne passiere. Sie bräuchten nun Gewissheit.

Er selbst sei Vater einer Tochter in Lenas Alter. Auch sie sei schon allein mit dem Fahrrad zum Kino gefahren, das sich direkt neben dem Parkhaus befindet. „Die heile Welt ist definitiv nicht mehr vorhanden“, sagt der Emder.

Auf einem der vor dem Tatort abgelegten Briefe steht: „Ein tragisches Geschehen ist in unserer Gegend passiert und darüber sind wir sehr geschockt.“ Der Großvater der fünfjährigen Laura sagt, die elfjährige Lena sei so stolz gewesen, dass sie Kaninchen bekommen habe. „Jetzt sehe ich sie nie wieder“, sagt der Nachbar von Lenas Familie. Seine Enkelin Laura, die das Grablicht und Blumen zum Parkhaus mitgebracht hat, sagt: „Lena ist jetzt im Himmel.“

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