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13.05.2009

Wirtschaftskrise Deutsche lehnen freies Spiel der Wirtschaft ab

Nur noch 22 Prozent der Bundesbürger wünschen sich mehr Markt.

Mannheim/Bielefeld – Die Wirtschaftskrise hat das Vertrauen der Deutschen in den Staat gestärkt und dazu geführt, dass sich nur noch 22 Prozent der Bundesbürger mehr Markt wünschen. Zu diesem Ergebnis gelangt eine am Mittwoch, veröffentlichte Untersuchung des Mannheimer ipos-Instituts im Auftrag des Bundesverbands deutscher Banken. Die Experten führen die sich inzwischen gewandelte Stimmungslage in der Bevölkerung vor allem auf das Krisenmanagement der Bundesregierung zurück. Diese hätte mit ihren vehementen Reformen in die Finanzordnung laut Bankenverbandschef Manfred Weber das Land „vor Schlimmerem“ bewahrt. So würden die Bürger merken, dass die Politik in Krisenzeiten handlungsfähig sei.

Obwohl die Ergebnisse der Erhebung die Vermutung nahe legen, dass das Thema der sozialen Gerechtigkeit wieder eine größere Rolle spielt, lässt sich dies vor allem auch auf die bisweilen populistisch geführte Diskussion über Managergehälter und Steuerhinterziehung zurückführen. Wirtschaftswissenschaftler, wie der Wirtschaftsweise Peter Bofinger, zeigen sich überrascht über das Ergebnis der Studie. So bezweifelt Bofinger in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung, dass es sich beim Vertrauen des Volkes in die Regelungsmacht des Staates nicht um einen dauerhaften Trend handle. Für viele dürfte die Krise zudem das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich herausstreichen.

Diese Wahrnehmung wird auch von Wirtschaftshistorikern bestätigt. Die Kluft zwischen Arm und Reich sei seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch nie so groß gewesen wie heute. Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung nach verfügt das obere Zehntel der Bevölkerung über 62 Prozent des Privatvermögens. Nahezu ein Drittel der deutschen Bürger besitzt dagegen so gut wie überhaupt nichts oder ist verschuldet. Auf der anderen Seite sollte jedoch auch berücksichtigt werden, dass rund zehn Prozent der oberen Einkommensschichten 50 Prozent des gesamten Steueraufkommens leisten. Um die Kluft zu verringern, fordern Fachleute Steuererhöhungen.

Das Umdenken in Krisenzeiten lässt sich anschaulich in den ermittelten Zahlen verdeutlichen. Wollten vor drei Jahren noch rund 45 Prozent der Deutschen einen geringeren Staatseinfluss auf die Wirtschaft, sind es heute nur mehr halb so viele. Dagegen wünschen sich 57 Prozent „mehr soziale Absicherung“. Auf die Frage, ob sich das einst von Ludwig Ehrhard entworfene Konzept der Sozialen Marktwirtschaft bewährt habe, antwortet gerade einmal die Hälfte mit „ja“. 41 Prozent sind hingegen der Meinung, dass sich dieses Modell nicht bewährt hat. „Dass die Zustimmung zur Sozialen Marktwirtschaft abnimmt, hat langfristige Gründe und damit zu tun, dass wir es von Seiten der Wirtschaftspolitik über die Jahre hinweg inzwischen mit einer Lebenslüge zu tun haben“, so Werner Abelshauser von der Universität Bielefeld im Gespräch mit pressetext.

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