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Der wundersame Aufstieg der Sabine Lisicki

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02.02.2012

Tennis Der wundersame Aufstieg der Sabine Lisicki

In wenigen Monaten von Weltranglistenplatz 218 auf 14 – Nummer eins im Fed Cup gegen Tschechien.

Stuttgart – Sabine Lisicki scheint gerade vieles zu gelingen. Selbst die schwierigsten Aufgaben gehen der deutschen Tennisspielerin in diesen Tagen wie selbstverständlich von der Hand. Zum Beispiel beim Aufschlagtraining in Stuttgart trifft sie die nur 30 Zentimeter und acht Zentimeter breite Balldosen, die Barbara Rittner als Zielmarke aufgestellt hat, fast nach Belieben. “Ich habe einfach viel Spaß mit den Mädels hier”, sagt Lisicki zu ihrer formidablen Form.

Als Nummer eins wird sie nach der verletzungsbedingten Absage von Andrea Petkovic die deutsche Mannschaft am Samstag und Sonntag in das Erstrundenmatch gegen Fed-Cup-Titelverteidiger Tschechien führen. Es ist ein Los, das sich nicht einmal Wimbledonsiegerin Petra Kvitova gewünscht hatte. “Wir hätten gerne einen anderen Gegner in der ersten Runde gehabt”, sagt die Weltranglisten-Zweite. Lisicki nimmt den Gegner derweil wie er kommt.

Zum ersten Mal seit den Zeiten von Steffi Graf und Anke Huber sowie dem letzten Sieg 1992 haben die deutsche Tennisfrauen wieder realistische Chancen, den bedeutenden Mannschaftswettbewerb gewinnen zu können. Drei Siege bis zum Titelgewinn sind dazu notwendig. “Unmöglich ist das nicht”, sagt Lisicki im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd.

Die Weltranglisten-14. ist neben Petkovic (WTA 10), Julia Görges (21) und Angelique Kerber (27) eine von vier deutschen Spielerinnen, die unter den besten 30 Profis der Welt vertreten ist. Vor allem ihr rasanter Aufstieg im vergangenen Jahr mit zwei Turniersiegen und dem Halbfinaleinzug in Wimbledon brachte ihr nicht nur eine Auszeichnung der Spielerinnenorganisation WTA als “Comebackspielerin des Jahres” ein, Lisicki beendete auch zum ersten Mal in ihrer Karriere ein Tennisjahr unter den besten 15 der Welt. “Dass ich 2011 so schnell so hoch komme, hätte ich wirklich nicht gedacht”, sagt Lisicki.

Die besten 50 hatte sie sich zum Ziel gesetzt, nachdem sie wegen einer komplizierten Fußverletzung fünf Monate hatte pausieren müssen. Viele in ihrem Umfeld hielten selbst das für zu ambitioniert. Sie war in der Weltrangliste auf Rang 218 abgerutscht. Doch Lisicki ließ sich nicht beirren und fand neue Zuversicht auch durch die Teilnahme am Relegationsspiel im vergangenen Jahr in Stuttgart gegen die USA.

“Man wächst im Teamwettbewerb tatsächlich über sich hinaus”, sagt Lisicki. Vor allem die engen Trainingsmatches gegen Petkovic taten der verletzten Seele gut. Von da an habe sie gemerkt, sagt Lisicki, dass sie von den Topspielerinnen nicht mehr weit entfernt ist.

Denn während einer so langen Pause kommen die Dinge, die eigentlich für Tennisprofis selbstverständlich sind, plötzlich abhanden. Manchmal fühlte sich Lisicki wie ein Hobbyspielerin, “die in den entscheidenden Situationen häufig nicht wusste, was ich machen sollte.”

Nur langsam kam diese Fähigkeit zurück. Es war ein Sieg beim Turnier in Miami gegen die wenig bekannte Ungarin Melinda Czink im dritten Satz mit 6:4, der die entscheidende Wendung bringen sollte. “Das war die Initialzündung, die ich gebraucht habe”, sagt Lisicki. Sie hatte in dieser Zeit viele Matches im dritten Satz verloren: 5:7 oder 6:7. Sie begann zu zweifeln und viel schlimmer noch: an sich zu zweifeln. Nach dem Sieg gegen Czink war die Leichtigkeit zurück.

Statt darüber nachzudenken wie sie es überhaupt in die Qualifikationsfelder der Grand-Slam-Turniere schafft, beschäftigt sie sich heute wieder mit ganz anderen Zielen. Erstmals das Finale eines Majors im Einzel erreichen oder so schnell wie möglich unter die besten Zehn der Weltrangliste kommen. “Das ist definitiv mein nächstes Ziel”, sagt Lisicki, “Ich bin spielerisch nicht mehr weit weg, doch von den Punkten ist der Abstand noch recht groß. Ich muss jetzt viele Matches gewinnen.”

Am besten beginnt sie schon am Wochenende damit. Siege im Fed Cup zählen zwar nicht für die Weltrangliste, aber sie sind gut fürs Selbstvertrauen. Niemand weiß das besser als Sabine Lisicki.

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