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Der Vorhang fällt und Gauck lässt alle Fragen offen

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17.02.2012

Wulff-Nachfolge Der Vorhang fällt und Gauck lässt alle Fragen offen

Theologe will sich zu Kandidatenfrage nicht äußern.

Koblenz – Markus Dietze ist Intendant des beschaulichen Koblenzer Stadttheaters. Er kennt sich aus mit Schauspiel, Oper und Musik. Zur großen Staatspolitik stehe dem Chef eines Provinztheaters keine öffentliche Äußerung zu, schmunzelt er an diesem Freitagabend. Und doch ist es irgendwie die große deutsche Politik, die in Koblenz auf dem Spielplan steht: Der Theologe und ehemalige Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, Joachim Gauck, ist für 19.30 Uhr zu einer Lesung gekommen. Achteinhalb Stunden zuvor ist im fernen Berlin Bundespräsident Christian Wulff zurückgetreten.

Für Gauck keine Überraschung, wie er vor der Veranstaltung sagt. Das sei zu erwarten gewesen, als die Staatsanwaltschaft Hannover am Donnerstag die Aufhebung der Immunität beantragt hatte. Viel mehr will der 72-Jährige, der 2010 bei der Bundespräsidentenwahl gegen Wulff antrat und diesem schließlich im dritten Wahlgang unterlag, vor dem seit Freitagmittag ausverkauften Haus in Koblenz nicht sagen.

Dabei könnte Gauck sich schon irgendwie freuen. Schließlich sehen ihn viele Deutsche und auch etliche Politiker als das passende Staatsoberhaupt. Doch dazu kein Wort. “Ich sage nichts zu Wulff und zu Gauck”, betont der evangelische Geistliche. “Mein Terminkalender ist gut gefüllt und ich bin ein beschäftigter, glücklicher Mann”, sagt er bestimmt.

Bereits am Nachmittag wollte sich Gauck bei einer Veranstaltung in München nicht zu einer erneuten Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten äußern. “Geben Sie mir einfach noch ein wenig Zeit”, sagte er dort.

Und auch in Koblenz geht er über zum üblichen Programm eines Schriftstellers. “Den ganzen Abend hier geht es um das Buch ‘Winter im Sommer – Frühling im Herbst’ – und um nichts anderes”, macht Gauck auf der Bühne deutlich. Er will nicht Reden über Ämter, Wahlen, Parteien oder die Bundesversammlung. Für die Zukunft hat er klare Pläne. “Ich vergebe gerade die ersten Termine für 2013″, sagt Gauck und meint damit mehr seine Lesereisen denn potenzielle Staatsbesuche.

Ob das Publikum das genauso sieht? Viele tun das nicht, einige haben Plakate mit der Aufschrift “Wir für Gauck” aus dem Jahr 2010 mitgebracht. Bei der Signierstunde lächelt eine Frau charmant in Gaucks Richtung und ruft: “Aber wir wollen, dass sie das machen”. Gauck lächelt zurück und hüllt sich in Schweigen.

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