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„Der See ist berüchtigt für seine Stürme

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18.02.2012

Bodensee „Der See ist berüchtigt für seine Stürme“

90 Menschen wurden nach Unfällen auf dem Bodensee nicht wiedergefunden.

Konstanz/Langenargen – Der Bodensee hat viele Gesichter. Im Herbst zeigt er sich melancholisch, im Winter oft rau und in den Sommermonaten gibt er sich mediterran. Doch vor allem birgt er viele Geheimnisse. Mehrere Hundert Menschen sind in den vergangenen knapp 70 Jahren auf ihm verunglückt, über 90 hat der See nicht wieder hergegeben. Erst im Januar verschwanden zwei Fischer in der Bregenzer Bucht. Ihre Ausrüstung wurde nach einem heftigen Sturm gefunden, von den 31 und 35 Jahre alten Männern fehlt weiterhin jede Spur.

“Dabei ist der Bodensee nicht gefährlicher als andere Gewässer”, sagt Herbert Löffler vom Seenforschungsinstitut in Langenargen. “Es sind oft die Menschen, die sich falsch verhalten”. Im Winter ohne Schwimmweste in ein Boot zu steigen, sei grob fahrlässig. “Die Überlebenschance liegt da im Bereich von Minuten.”

Doch auch in den wärmeren Jahreszeiten geschehen immer wieder Unfälle. Die meisten Menschen verunglückten in den vergangenen Jahren beim Baden oder Bootfahren. Von den 13 verzeichneten Urlaubern und Einheimischen, die 2010 auf dem See ums Leben kamen, starben sieben beim Schwimmen. “Meist wegen Herz-Kreislaufversagen. Manchmal sind es tödlich endende Wetten”, sagt der Leiter der Konstanzer Wasserschutzpolizei Hubert Trenkle. Zum Teil unter Alkoholeinfluss würde versucht, den See schwimmend zu überqueren. Manche wiederum würden von dem wechselnden Wetter überrascht. “Der See ist berüchtigt für seine plötzlichen Stürme.”

“Es ist der Föhneinfluss, der die Prognose schwierig macht”, sagt der Meteorologe Paul Dilger vom Deutschen Wetterdienst in Stuttgart. Gerade vom Bergland her könnten sich über dem See schnell Gewitter bilden. “Grundsätzlich liegen wir mit unserer Prognose aber zu 90 Prozent richtig.” Diese stellen die Meteorologen im Südwesten jedoch nicht allein, sondern mit dem Wetterdienst Meteo Swiss. “Wir entscheiden nach dem Vieraugenprinzip, ob wir eine Sturm- oder Starkwindwarnung herausgeben,” sagt Dilger.

Möglichst eine Stunde vorher werden dann die Wasserschutzpolizeien und Schifffahrtsämter informiert und das Sturmwarnsystem aktiviert: Die 43 orangefarbenen Leuchten rund um den See signalisieren die mögliche Gefahr in zwei Stufen. Bei Starkwinden blinken die Warnleuchten mit 40 Blitzen pro Minute. Werden Böen von mehr als 65 Stundenkilometern erwartet, blitzt es 90 Mal.

Ein Gesetz, dass die Segler vom Wasser müssen, gibt es allerdings nicht. “Wir können lediglich dazu raten, zurück in die Bucht zu fahren”, sagt Trenkle. Grundsätzlich sei aber jeder, der ein Boot steuere, an die nautische Sorgfaltspflicht gebunden. Wie gut ist die Besatzung? Was kann das Schiff? Wie groß ist die Gefahr? “Das sind die Fragen, die sich der Wassersportler stellen sollte.”

Wer von der Polizei in einer “grob fahrlässig verursachten Gefahrenlage” gerettet wird, muss dafür auch zahlen. “Bei der Bergung eines Bootes rechnen wir im Halbstundentakt ab. Je nach Größe des Schiffes kosten 30 Minuten bis zu 145 Euro”, warnt Trenkle. Die Rettung von Personen ist dagegen kostenlos.

Im Fall der verschwundenen Fischer kam jede Hilfe zu spät, was genau passiert ist, weiß niemand. Die beiden bleiben verschwunden. “Ich dachte lange, der Bodensee ist ein strömungsfreies Gewässer, aber ich musste mich belehren lassen”, sagt Trenkle. “Da wo jemand ertrunken ist, ist er in der Regel nicht auf dem Grund zu finden.”

Laut Löffler vom Seenforschungsinstitut sind komplizierte Strömungsmuster für die Verdriftungen verantwortlich. “Fischer berichten immer wieder, dass ihre Netze in nur einer Nacht zehn Kilometer abgetrieben sind.” Ein weiterer Grund, warum Verunglückte nicht mehr an Land gelangten, sei die hohe Wasserdichte auf dem Grund. “Der Druck hält die Menschen unten.” Eine Wassertemperatur von etwa vier Grad Celsius verlangsame den Fäulnisprozess, der Körper habe weniger Auftrieb.

Für den Fall, dass der Fundort eingegrenzt werden kann, nutzt die Wasserschutzpolizei das sogenannte Side-Scan-Sonar. Das Roboter-ähnliche Gerät wurde gemeinsam mit dem Seenforschungsinstitut angeschafft. Während die Wissenschaftler damit Metanblasen auffangen, nutzt die Behörde die Technik zur Ortung Ertrunkener. “In 50 Milliarden Kubikmetern Wasser findet man vor allem jede Menge Bierflaschen, Dosen und Algen”, sagt Trenkle.

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