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Der Rekordkünstler Gerhard Richter

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26.01.2012

Richter Der Rekordkünstler Gerhard Richter

Werke werden für zweistellige Millionenbeträge versteigert – Ausstellungen zum 80. Geburtstag.

Berlin – Der Künstler selbst hat in den 1960er Jahren die Programmlosigkeit zu seinem Konzept erhoben. “Ich mag alles, was keinen Stil hat”, soll Gerhard Richter damals in seinen Notizen festgehalten haben. Eine große Richter-Retrospektive in den 90ern kommentierten Kritiker mit den Worten, die Schau könnte auch ganz verschiedene Künstler zeigen. Der 1932 in Dresden geborene Maler, der mit 16 die Schule verlassen hatte, dann mit Laienspielzirkeln über die Dörfer zog und zunächst Bühnenmaler wurde, hat von fotorealistischen Arbeiten über Stadt- und Landschaftsmotive bis zu farbigen Abstraktionen alles in seinem Repertoire – und erzielt bei internationalen Auktionen Rekordpreise.

Im November etwa brachte ein abstraktes Gemälde Richters in New York eine Rekordsumme von rund 15 Millionen Euro (20,8 Millionen US-Dollar) ein. Geschätzt worden war “Abstraktes Bild” auf maximal neun Millionen Euro. Insgesamt versteigerte Sotheby’s acht Richter-Gemälde für 54 Millionen Euro. Im Oktober wechselte das Gemälde “Kerze” in London für zwölf Millionen Euro den Besitzer.

Der in Köln lebende Richter, der 1961 kurz vor dem Mauerbau aus der DDR geflohen war und an der Düsseldorfer Kunstakademie studierte, gilt als einer der erfolgreichsten zeitgenössischen deutschen Künstler – und als schweigsam und interviewscheu. Auch seinen 80. Geburtstag wird er nicht groß zelebrieren. “Er feiert mit der Familie, geht Essen. Es gibt keine offizielle Veranstaltung”, sagt der Richter-Biograf und Vertraute des Künstlers, Dietmar Elger.

In den 90ern gehörten Richters Gemälde zu denen, die am häufigsten durch die Welt reisten. Schwarz-Rot-Gold-Bilder von ihm hängen auch im Reichstag in Berlin. 2002 widmete ihm das Museum of Modern Art in New York eine große Retrospektive, 2008 das Nationalmuseum in Peking, zuletzt die Tate Modern in London.

Zu seinem 80. Geburtstag am 9. Februar zeigt auch die Neue Nationalgalerie in Berlin diese Ausstellung mit dem Titel “Panorama”. Richter selbst wird die Schau am 10. Februar vorstellen. Gezeigt werden ab 12. Februar etwa 140 Gemälde, die in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler ausgewählt wurden und Einblick in sein vielseitiges Werk bieten.

Das Berliner Ausstellungshaus me Collectors Room zeigt parallel “Gerhard Richter – Editionen 1965 – 2011″. Präsentiert werden rund 220 Arbeiten, darunter Druckgrafiken, Foto-Editionen, Multiples, Gemälde-Editionen, Künstlerbücher und Künstlerplakate. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden feiern den gebürtigen Dresdner ab 4. Februar mit einer Schau in der Kunsthalle im Lipsiusbau.

Zwischen 2004 und 2007 belegte Richter im Kunstkompass des Magazins “Capital” vier Mal in Folge Platz eins des Rankings der weltweit erfolgreichsten Künstler. Das britische Magazin “Art Review” wählte ihn jüngst auf Platz elf. 1997 hatte er den als “Nobelpreis der Künste” geltenden japanischen Praemium Imperiale bekommen. Im selben Jahr ging auch der Internationale Preis der Jury der Biennale in Venedig an ihn.

2004 wurde die weltweit größte Museumskollektion von Werken Richters im Dresdner Albertinum eröffnet, 2005 das Gerhard Richter Archiv als Institut der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gegründet. 2008 kuratierte Richter im Museum Frieder Burda seine eigene Retrospektive.

Zu Richters umstrittensten Arbeiten gehört der 15 Gemälde umfassende Zyklus “18. Oktober 1977″ (1988). Die Bilder beschäftigen sich mit der linksradikalen Terrororganisation “Rote Armee Fraktion (RAF)”, der Titel bezieht sich auf die Nacht, in der sich Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Gefängnis Stuttgart-Stammheim das Leben nahmen. Die Gemälde basieren auf Polizei- und Pressefotos und zeigen unter anderem die toten Terroristen in ihren Zellen.

Aufsehen erregte der Kölner Ehrenbürger auch mit dem sogenannten Richter-Fenster: 2006 entwarf er für die Südquerhausfassade des Kölner Doms ein 113 Quadratmeter großes Fenster, das aus 11.500 Glas-Quadraten in 72 unterschiedlichen Farben besteht. Das Fenster wurde 2007 eingeweiht. Während die Kunstkritik voll des Lobes war, kritisierte der Kölner Kardinal Joachim Meisner das Werk: Die abstrakte Fenstergestaltung spiegele nicht den christlichen Glauben wieder, sondern passe “eher in eine Moschee”.

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