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1. Bundesliga: Der Klassiker lebt wieder auf

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17.01.2012

München 1. Bundesliga: Der Klassiker lebt wieder auf

Gladbach und Bayern waren die Rivalen der 70er – Jetzt wieder (fast) auf Augenhöhe.

Düsseldorf – Renaissance der 70er, Comeback eines Klassikers, Duell der Dauerrivalen: Erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit stehen sich Borussia Mönchengladbach und Bayern München zum Auftakt der Rückrunde am Freitag wieder auf Augenhöhe gegenüber. Zumindest tabellarisch. Denn auch wenn der Vierte den Herbstmeister empfängt – die beiden Vereine, die in den 70er Jahren die Bundesliga und den deutschen Fußball geprägt haben, trennen heute noch Welten.

Angefangen hat alles mit einer Niederlage. Nach dem gemeinsamen Bundesliga-Aufstieg 1965 gewannen die Bayern das erste Duell auf dem Bökelberg 2:1. “Beide Vereine setzten sich bald in den vorderen Tabellenrängen fest, insofern war von Anfang an eine besondere Rivalität vorhanden”, erinnerte sich der heutige Gladbacher Vizepräsident Rainer Bonhof im Gespräch mit dem Magazin “11 Freunde”. Die Bayern hatten auf der jahrelangen Jagd nach Titeln die Nase vorn. 1969 wurden sie erstmals Deutscher Meister, die Gladbacher folgten erst ein Jahr später. Das habe vor allem Trainerlegende Hennes Weisweiler gefuchst, wie Bonhof sich erinnert.

In den 70er Jahren wechselten sich beide Mannschaften dann an der Spitze ab. Bayern wurde 1972, 1973 und 1974 Meister, Gladbach nach 1970 auch 1971, 1975, 1976 und 1977. Was damals allerdings nicht gelang, war ein Sieg der Gladbacher in München. Ein Kopfproblem, wie Bonhof erklärte: “Die Bayern hatten so viel Selbstvertrauen zuhause und standen so gut, dass wir schon vorher wussten, wie schwer es wird.” Selbst in der Meistersaison 1977 sollte es trotz einer 2:0-Führung nicht reichen, Schuld war natürlich Gerd Müller: “Da macht der Dicke den Anschlusstreffer, und in der letzten Minute schießt Hans-Jürgen Wittkamp ein Eigentor”, erinnert sich Bonhof.

Gladbach gegen die Bayern – das war damals vor allem eine Glaubensfrage. Das stürmische Offensivfeuerwerk der “Fohlen” um Günter Netzer und den heutigen Bayern-Trainer Jupp Heynckes gegen den kontrollierten Erfolgsfußball um “Kaiser” Franz Beckenbauer und “Bomber” Müller. Der Underdog vom Niederrhein gegen die “Großkopferten” aus dem mondänen München. “Unser System beruhte auf Ballsicherheit. Das machte Spiele gegen Gladbach so besonders: Denn da konnte es vorkommen, dass wir trotz Fünfen in der Abwehr plötzlich gegen sechs Stürmer spielten”, sagte der Adjutant des “Kaisers”, Franz “Bulle” Roth. “Wir gewannen unsere Spiele mit 5:4 und die Bayern mit 1:0, aber beide Systeme waren sehr interessant”, sagt Bonhof.

Das führte dann auch schon einmal dazu, dass die Gladbacher die nach dem Landesmeister-Sieg 1974 noch angetrunkenen Münchner mit 5:0 aus dem Stadion fegten. Fünf Jahre später revanchierten sich die Bayern mit ihrem bis heute höchsten Auswärtssieg (7:1). Die finanzielle Schere ging jedoch auseinander, zu unterschiedlich waren die Voraussetzungen. Auf der einen Seite der sparsame Helmut Grashoff, dort der umtriebige Erfolgsmensch Uli Hoeneß. In Gladbach der beschauliche Bökelberg, in München das lukrative Olympiastadion. “Damals hatten wir fast 80.000 Zuschauer, und im Europacup kosteten schon damals die besten Plätze bis zu 80 Mark”, sagte Roth. Die Borussia hantierte mit einem Jahresetat von 15 Millionen Mark, “da hatten die Bayern schon einen Jahresetat von 35 Millionen Mark”, sagte Bonhof.

In der Folgezeit sammelten die Bayern Titel um Titel, der einstige Dauerrivale höchstens noch Sympathien. In Gladbach hofft man zumindest wieder ein wenig auf eine Reminiszenz an alte Zeiten, auch wenn der Vierte gegen den Ersten immer noch kein Duell auf Augenhöhe ist. Ein Klassiker wird es aber immer bleiben. Denn immerhin schaffte die Borussia beim 1:0 in der Hinrunde das, was den “Fohlen” in den 70er Jahren verwehrt blieb – einen Sieg in München.

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