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Der „Held der Straße ist nur noch ein Sparminister

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17.02.2012

1899 Hoffenheim Der „Held der Straße“ ist nur noch ein Sparminister

Manager Tanner hat es in Hoffenheim unter dem allmächtigen Mäzen Hopp nicht leicht.

Sinsheim – Es ist schon drei Monate her, dass Ernst Tanner letztmals richtig positiv im Rampenlicht stand. Damals, im November 2011, wurde der Manager des Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim zum “Held der Straße” gekürt, nachdem er eine verunglückte Nachbarin unter ihrem Auto hervorgezogen hatte. Dazwischen liegt die Trainerentlassung von Holger Stanislawski, die auch Tanner in kein gutes Licht gestellt hat. Zudem wird man den Eindruck nicht los, dass der 45-Jährige von Mäzen Dietmar Hopp immer mehr zum “Sparminister” degradiert worden ist.

Und sollte der neue Trainer Markus Babbel in Hoffenheim nicht funktionieren, hätte wohl auch Tanner ausgespielt. Davon will der gebürtige Traunsteiner aber nichts wissen. Er verspüre die Rückendeckung von Hopp, sagte Tanner, und verteidigte die Entlassung von Stanislawski sowie die Inthronisierung von Babbel mit den Worten: “Wir entscheiden nach bestem Wissen und Gewissen.”

Doch die Arbeit von Tanner in den vergangenen Wochen wirft Fragen auf. Wie viel von ihm steckt in den Amtshandlungen, wenn er von einer “Wir-Entscheidung” spricht? Hängt er am – seidenen – Faden von Hopp? Ist er folglich nur noch eine Marionette? Als Hopp Stanislawski mit den Worten kritisierte, es sei schwer, eine Linie zu erkennen, fragten einige Medienvertreter: Hat Tanner eine?

Da gab es zum Beispiel Stanislawskis Vorgänger Marco Pezzaiuoli. Kritiker witzelten, Tanner habe seinen vorletzten Wunschtrainer feuern müssen, ehe er dessen Namen fehlerfrei aufsagen konnte. Tanner sieht das nicht so und erklärte rückblickend: “Vorwerfen lassen müssen wir uns nur, dass wir ihn nicht als Interimslösung präsentiert haben.”

Kritik von Spielern

Nun genießt Tanner auch bei einigen Spielern innerhalb der Mannschaft keinen besonders guten Ruf. Als Tobias Weis bei einer Pressekonferenz gefragt wurde, ob er seinen auslaufenden Vertrag wegen des damaligen Trainers Stanislawski oder wegen Tanner eventuell verlängern würde, antwortete der Mittelfeldspieler: “Der erste Teil stimmt.” Es war eine kleine, aber vielsagende Spitze gegen Tanner. Und Sejad Salihovic berichtete, Tanner habe sich nie nach seinem Gesundheitszustand erkundigt, als er verletzt war. Tanner wiegelt dies mit deutlichen Worten ab: “Alles Quatsch.”

Kein Quatsch ist, dass unter Tanner nicht viele Spieler verpflichtet worden sind, die das Prädikat “Verstärkungen” tragen. Der niederländische Nationalspieler Ryan Babel ist so ein Fall. Tanner verwies zuletzt im “kicker” darauf, dass “es für die TSG schon gut ist, einen international so renommierten Spieler überhaupt verpflichtet zu haben.” Vielleicht hätten die sieben Millionen Euro aber besser investiert werden können. Babel strotzte zuletzt nicht vor Tatendrang.

Tanner, dies muss man ihm zu Gute halten, hat es aber auch nicht leicht. Während sein Vorgänger Jan Schindelmeiser in Hoffenheim noch kräftig hantieren durfte mit dem Geld von Hopp, hat der Milliardär inzwischen den Sparkurs ausgerufen. Tanner moniert eine “gefährliche Entwicklung” und sieht “die Grenze erreicht”. Es ist eine Kritik an Hopp, die schon fast einer Majestätsbeleidigung gleichkommt und für Tanner selbst gefährlich werden könnte. Ob der “Held der Straße” noch zum Helden von Hoffenheim wird, darf bezweifelt werden.

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