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Der „Größte und die Krankheit – Ali und Parkinson

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13.01.2012

Parkinson Der „Größte“ und die Krankheit – Ali und Parkinson

Zehn bis 20 Prozent der Kämpfer erleiden „Boxer-Syndrom“ – Ali sieht sich als Vorbild für Patienten.

Hamburg – „Ich weiß, dass viele Parkinson-Patienten auf der ganzen Welt auf mich schauen und sich darauf verlassen, dass ich stark bin. Dieses Wissen gibt mir die Kraft, immer weiter zu machen.“ Muhammad Ali schreibt dies in seinem Buch „The Soul Of A Butterfly“. Seit 1984 macht er weiter, unaufhörlich, voller Unbeugsamkeit. Obwohl es ihm für jeden sichtbar immer schlechter geht. Am Dienstag wird Muhammad Ali 70 Jahre alt.

Die offizielle Diagnose der unheilbaren Krankheit erhielt der berühmteste aller Boxer, der „Größte“, vor 26 Jahren, drei Jahre nach seinem letzten Kampf, den er nie und nimmer hätte bestreiten dürfen. Schon vor dem Fight gegen Trevor Berbick am 11. Dezember 1981 wies er typische Symptome auf, verschleppte Sprache, verlangsamte Reaktionen. Ali ignorierte sie: „Ich bin immer noch der Größte.“

Die „Dementia Pugilistica“, auch Boxer-Syndrom genannt, ist inzwischen in der Medizin längst anerkannt. Eine neurale Dysfunktion bei Menschen, die häufigen Schlägen an den Kopf ausgesetzt sind. „Zehn bis 20 Prozent der Profiboxer leiden an anhaltenden Folgeerkrankungen“, teilte das Klinikum Rechts der Isar im November 2010 mit. Die Risiken des Boxens wurden dort wissenschaftlich erforscht, aber nicht nur dort.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde wies im April 2011 darauf hin, dass das Risiko, an einer sogenannten Boxerdemenz zu erkranken, mit der Zahl der Kämpfe, der Knockouts, dem Alter des Boxers und seinen „Nehmerqualitäten“ steige: „Bei einer Boxerdemenz treten ähnliche Symptome auf wie bei der Alzheimer-Krankheit.“

In dem Dokumentarfilm „After The Last Round“ aus dem Jahr 2010 zeigt Regisseur Ryan Petty erschütternde Beispiele ehemaliger Box-Profis, die – mittlerweile zu menschlichen Wracks geworden – in Heimen untergebracht sind. Ali ist da im Vergleich noch privilegiert, sein Verstand ist immer noch scharf, und er hatte und hat die Möglichkeiten, die bestmögliche Versorgung zu erhalten.

„Als Parkinson bei mir diagnostiziert wurde, hasste ich die Vorstellung, von Medikamenten abhängig zu sein, ich konnte meine Sprachstörung und das Zittern nicht akzeptieren“, schreibt Ali, „aber ich habe verstanden, dass die Art und Weise, wie ich mit der Erkrankung umgehe, Wirkung auf andere Patienten hat.“

Also zeigt er sich, wann immer es ihm möglich ist, in der Öffentlichkeit. Am Samstag will er in seiner Geburtsstadt Louisville an einer Party teilnehmen, bei der Geld für das örtliche Muhammad Ali Center gesammelt wird, eine Kultur- und Bildungseinrichtung. 1000 Dollar zahlen die Gäste. Kommende Woche nimmt er in Las Vegas an einem Geburtstagsdinner teil, welches das „Lou Ruvo Center für Gehirn-Medizin“ ausrichtet. Zahlreiche Boxstars wie George Foreman, Ken Norton, Leon Spinks und Sugar Ray Leonard haben ihre Teilnahme zugesagt. Man wird auch dort Geld für die gute Sache spenden.

15 verschiede Organisationen unterstützt Ali durch seinen Namen, durch öffentliche Auftritte, durch Spendenaktionen. Darunter auch das von ihm 1987 mitgegründete Muhammad Ali Parkinson Center in Phoenix/Arizona, wo der „Größte“ mittlerweile mit seiner vierten Frau Lonnie überwiegend lebt. „Manche Leute verwechseln meine Einschränkungen mit einem Hirnschaden, aber das stimmt nicht“, erklärt Muhammad Ali, „glücklicherweise scheine ich Leute immer noch glücklich zu machen, wenn sie mich treffen.“

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