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Der dritte Klitschko

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16.02.2012

Bernd Bönte Der dritte Klitschko

Manager Bernd Bönte machte die Ukrainer zu Superstars.

Hamburg – Wo die Klitschko-Brüder auftauchen, ist der Mann mit der charakteristischen Brille, dem gesunden, braunen Teint und dem leuchtenden Silberhaar nicht weit. Auch jetzt in München, im Vorfeld des WM-Kampfes von Witali Klitschko gegen den Briten Dereck Chisora am Samstag wirkt Bernd Bönte allgegenwärtig. Alle geschäftlichen und sportlichen Fäden laufen bei dem 56-Jährigen zusammen, Bönte ist der dritte Klitschko.

Gemeinsam gehört ihnen die “Klitschko Management Group” (KMG). Witali, Wladimir und Bernd – jeder besitzt ein Drittel. Längst sind dort die Grundlagen für die Zeit nach der sportlichen Karriere gelegt. Man kann die Brüder als Motivationsredner buchen, als Filmschauspieler, als Werber. “Sie sind bodenständig, authentisch und intelligent”, sagt Bönte, “in unseren Präsentationen nennen wir das Power and Brain” (Kraft und Intelligenz).

Edelsteine zu Diamanten geschliffen

Die ukrainischen Edelsteine hat Bönte zu Diamanten geschliffen und damit selbst sein Glück gemacht. Bei ihrem Übertritt ins Profilager 1996 hat er sie noch als TV-Journalist für “Premiere” begleitet und dabei viel über das Rechte-Geschäft, Kampfverträge, Box-Verbände und windige Manager gelernt. Er arbeitete kurzzeitig bei Klitschkos ehemaligem Promoter Universum in der Presseabteilung, vermarktete sie seit 2001 als Personal Manager bei IMG und gründete 2007 mit ihnen KMG.

Der Magister in Politologie und Geschichte hat das Geschäft in der Hand, die Millionen fließen unauffällig und ohne dickes Geprotze. Seine Frau macht die Finanzen, alles hat noch einen familiären Anstrich. Als die Brüder Ende letzten Jahres dicke “Ehrenringe” an Freunde und Partner verschenkten, erhielt natürlich auch Bönte einen. “Über die Zusammenarbeit hat sich über die Jahre eine Freundschaft entwickelt”, sagte der Hamburger.

Harte Bandagen im Geschäft

Natürlich ist Bernd Bönte keineswegs überall beliebt. Insbesondere bei der Konkurrenz nicht. “Knebelverträge” werden den Klitschkos vorgeworfen. Rückkampfklauseln bei Niederlagen, zu wenig Geld für die Gegner. Bönte, der Mann mit der wohl akzentuierten Sprache und dem sanften Händedruck, hat geschäftlich harte Bandagen an.

Zu einem Eklat geriet die Pressekonferenz nach Witalis Abbruchsieg gegen den Kubaner Odlanier Solis im März 2011. Solis Manager Ahmet Öner beschimpfte Bönte, nachdem der ihn als “Döner” bezeichnet hatte. “Halt?s Maul Bönte! Du bist ein Provokateur. Ich bringe dich um. Ich schwöre dir, ich bringe dich um.” Bönte reagierte umgehend: “Schauen Sie sich diesen Asozialen an. 22 Monate auf Bewährung.”

Chisora ideal ausgesucht

Die Klitschkos und ihr Manager bestimmen das Geschehen im Schwergewicht. So ist jetzt auch der eigentlich im Sommer geplante Kampf gegen David Haye geplatzt. “Wir verhandeln nicht mehr, die Briten haben Summen jenseits von Gut und Böse aufgerufen”, sagt Bönte der Nachrichtenagentur dapd, “die Fixsumme ist zu hoch und für uns das Risiko zu groß.” Dann lässt man es halt. Die Klitschkos brauchen sportlich nichts mehr zu beweisen und die Hallen sind ohnehin immer voll. RTL zahlt Millionen, die Einschaltquoten sind ein Traum. Wie Samstag wieder gegen Chisora.

Der vorlaute Brite ist ein ideal ausgesuchter Gegner. Er macht seine Show, haut große Sprüche raus, ist trainiert, mutig und sogar in Deutschland schon durch seine – nun ja – unglückliche Niederlage gegen den Sauerland-Boxer Robert Helenius bekannt. Er ist aber auch 15 Zentimeter kleiner als der WBC-Champ und hat eine 15 Zentimeter geringere Reichweite. “Das ist der Kampf des jungen Wilden gegen die Legende”, sagt Bönte, “wir sind alle gewarnt.” Trommeln kann der dritte Klitschko so gut, wie die anderen beiden boxen.

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