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Der Berlinale-Gewinnerfilm

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18.02.2012

"Cesare deve morire" Der Berlinale-Gewinnerfilm

Produktion begleitet Theater-Inszenierung im Gefängnis.

Berlin – Der Gewinnerfilm der 62. Berlinale spielt im Gefängnis: Für ihren Film “Cesare deve morire” (“Caesar Must Die”) bekamen die italienischen Regiebrüder Paolo (80) und Vittorio Taviani (82) am Samstagabend den Goldenen Bären. Damit sorgte die Internationale Jury unter der Leitung von Mike Leigh auf jeden Fall für eine Überraschung – der Film hinterlässt zwar einen starken Eindruck und bekam teils gute Bewertungen bei internationalen Kritikern. Mit dem Goldenen Bären hatte wohl aber kaum jemand gerechnet.

In 76 Minuten zeigen die Tavianis die Einstudierung einer Shakespeare-Inszenierung in einem römischen Gefängnis. “Caesar Must Die” ist aber keine gängige Dokumentation, auch wenn das Thema es vermuten lässt, es gab ein Drehbuch.

Echte Schwerverbrecher in einem Hochsicherheitstrakt übernahmen in “Julius Cäsar” die Rollen von Cäsar und Brutus. Gezeigt wird das Casting, das Üben der Rollen in der Gruppe und in den Zellen, und schließlich Teile der Aufführung – der Film beginnt und endet mit der umjubelten Vorstellung im Gefängnis, die in Farbe gezeigt wird. Der Großteil des halbdokumentarischen Films wurde aber in Schwarz-Weiß gedreht. Das Werk überzeugt vor allem mit den starken Emotionen, die die Protagonisten transportieren.

Die schauspielernden Häftlinge erkennen Parallelen zwischen dem klassischen Drama und ihrem eigenen Leben, und der Stolz nach der Premiere ist ihnen anzusehen. Entstanden ist eine kunstvolle Verflechtung von Wirklichkeit und Fiktion. “Wir haben versucht, der Dunkelheit ihres Lebens als Verurteilte die poetische Kraft der Emotionen gegenüberzustellen, die Shakespeare hervorruft – Freundschaft und Verrat, Mord, die Qual von schwierigen Entscheidungen, der Preis von Macht und Wahrheit”, so die Taviani-Brüder (“Padre Pardone”, 1977).

Am Ende des Films sagt der bereits seit vielen Jahren inhaftierte Darsteller des Cassius’: “Seit ich der Kunst begegnet bin, ist diese Zelle für mich ein Gefängnis geworden.”

2007 waren die Taviani-Brüder, die zahlreiche Filme gemeinsam realisierten, auf der Berlinale mit ihrem Film “Das Haus der Lerchen” vertreten, in dem unter anderen Moritz Bleibtreu mitspielte. Das Historiendrama um den Völkermord der Türken an den Armeniern lief bei dem Festival in der Spezial-Sektion.

Es ist das achte Mal, dass ein italienischer Film oder eine italienische Koproduktion den Goldenen Bären gewinnt. Zuletzt ging der Preis 1991 an “La casa del sorriso” (“House Of Smiles”). Damit wurde auch das Gesamtwerk von Marco Ferreri (1928-1997; “Das große Fressen”) gewürdigt.

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