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Der 1. FC Köln verliert sein Gesicht

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08.03.2012

"Prinz Poldi" Der 1. FC Köln verliert sein Gesicht

Wechsel zum FC Arsenal wohl perfekt – Nationalstürmer mit Magendarm-Grippe im Bett.

Düsseldorf/Köln – Das Trainingsgelände am Geißbockheim war am Donnerstag verwaist. Der Fußball-Bundesligist 1. FC Köln absolvierte im Stadion in Müngersdorf eine Übungseinheit unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wie immer vor Heimspielen zog sich Trainer Stale Solbakken mit seinen Spielern zurück, der Norweger hielt dies vor dem Abstiegsduell mit Hertha BSC Berlin für besonders wichtig. Gelegen kam den Kölnern diese Entscheidung auch deswegen, weil es einmal wieder Neues zu Lukas Podolski gab: Der Abschied des liebsten Sohnes der Domstadt im Sommer ist offensichtlich beschlossene Sache.

Die „Bild“-Zeitung berichtete, dass der Transfer des 26-Jährigen zum FC Arsenal perfekt sei, englische Medien wie die BBC melden mit eigenen Quellen das Gleiche. „Prinz Poldi“ wird Kanonier bei den Londoner „Gunners“, erhält angeblich einen Vierjahresvertrag und pro Saison sieben Millionen Euro. Der FC werde demnach mit 13 Millionen Euro entschädigt. Dies wäre weniger als die erhofften 18 bis 20 Millionen, aber immer noch die höchste Transfer-Einnahme der Vereinsgeschichte. Wie der Zufall es wollte, fehlte Podolski am Donnerstag beim Training. Nein, er weilte nicht zur Vertragsunterzeichnung in London, sondern lag mit Magendarm-Grippe im Bett. Sein Einsatz gegen Berlin soll aber nicht gefährdet sein.

Der 1. FC Köln wollte der Nachrichtenagentur dapd keinen Kommentar geben zu Podolski, der auch die Boulevardblätter auf der Insel beschäftigt. Dort nimmt der bevorstehende Transfer des 95-maligen deutschen Nationalspielers in den Zeitungen „The Sun“ oder „Daily Mail“ ebenfalls einen prominenten Platz ein. Aber auch der FC Arsenal schweigt zu der Personalie, obwohl der seit dem Spätsommer 2011 bei den Londonern angestellte Nationalspieler Per Mertesacker bereits öffentlich über einen regen Informationsaustausch mit Podolski plauderte. „Es ist immer noch ein Gerücht, und wir können den Wechsel nicht bestätigten“, sagte ein Arsenal-Sprecher am Donnerstag vormittag auf dapd-Anfrage und fügte an: „Sobald es dazu eine offizielle Mitteilung gibt, werden wir diese auf unserer Homepage veröffentlichen.“

Besonders in Köln sind die Verantwortlichen von eine gewissen Furcht gehemmt, die Katze aus dem Sack zu lassen. Die Fans könnten es dem Klub verübeln, dass der Publikumsliebling zum zweiten Mal geht. Tatsächlich verliert der Verein im wahrsten Sinne des Wortes sein Gesicht. Aus der Jugendabteilung erschien der Stürmer in der Saison 2003/04 wie ein Komet am Kölner Himmel. Im Sommer 2006 verließ er nach dem Abstieg des Klubs das Rheinland in Richtung Bayern München. Nach drei glücklosen Jahren kehrte er für zehn Millionen Euro zurück zu seinem Herzensverein, sprach von seiner Hoffnung, mit dem 1. FC Köln bald die Champions League zu erreichen. Nach drei Jahren Abstiegskampf und leeren Versprechen hat der gebürtige Pole genug vom Verein – nicht von der Stadt und den Fans. Kürzlich präsentierte er in einem Interview eine harsche Abrechnung mit den Verantwortlichen, die ihre Versprechen über eine Verstärkung des Teams nicht eingehalten hätten.

Wie sehr die Kölner ihren Lukas lieben, zeigte sich zuletzt wieder auf dem Rosenmontagsumzug. Im strahlenden Sonnenschein schmiss er vom Wagen der Ehrengarde Kamelle und begeisterte die Jecken. Das Dreigestirn wirkte nur wie nettes Beiwerk.

Nun häufen sich in Köln die Abgänge: Erst machte sich der zunächst gefeierte Trainer Christoph Daum im Sommer 2009 plötzlich aus dem Staub, im Herbst trat auch Präsident Wolfgang Overath Knall auf Fall zurück – wenn Podolski geht, hat der 1. FC Köln keine Identifikationsfiguren mehr. Auf der anderen Seite steht eine sportliche Leitung mit Sportdirektor Volker Finke und Trainer Solbakken, die uneins ist. Und eine Mannschaft, deren Zukunft ohne Podolski ungewiss ist.

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