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Tennisfans schauen in die Röhre

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10.02.2012

Davis Cup Tennisfans schauen in die Röhre

Davis-Cup nur im Internet – TV-Sender lehnten Übertragung ab – “Quoten nicht so berauschend”.

Bamberg – Wer am Freitag das deutsche Davis-Cup-Team gegen Argentinien sehen wollte, der schaute in die Röhre. Das Erstrundenspiel in der Weltgruppe in Bamberg fand im deutschen Fernsehen nicht statt. Bei ARD und ZDF nicht, nicht in den dritten Programmen, nicht beim Privatfernsehen und auch nicht bei den Spartenkanälen, die im Namen das Wort “Sport” tragen. Kein Tennis, nirgends.

Noch im vorigen Jahr hatten das DSF und später Sport1 regelmäßig die Spiele der deutschen Nationalmannschaft um Kapitän Patrik Kühnen gezeigt. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) tat dabei alles, um es den Fernsehschaffenden so bequem wie möglich zu machen. Moderator Sascha Bandermann durfte während des Matches sogar mit den Spielern in der Teambox plaudern. Unmittelbar nach dem Match kamen sie als erstes zu ihm und beantworteten Fragen.

Und jetzt? “Es gibt Programm-Kollisionen, deswegen werden wir den Davis Cup in diesem Jahr nicht machen”, erklärte Sport1-Sprecher Michael Röhrig auf dapd-Anfrage, “wir haben andere Sendeverpflichtungen durch unser Sportrechte-Portfolio.” Als am Freitagnachmittag um 14.00 Uhr Philipp Petzschner zum ersten Einzel gegen Juan Monaco aufschlug, lief “Teleshopping”. Von 17.00 Uhr an dann Eishockey.

“Der Davis Cup hatte nicht so berauschende Quoten”, sagt DTB-Geschäftsführer Stephan Brune, “Sport1 hat uns deshalb bedeutet, dass es an einer Übertragung nicht interessiert sei.” Wahrscheinlich schauen sogar mehr Menschen das Einkaufsfernsehen als die Spiele der deutschen Tennisherren. “Das Zuschauerinteresse ist auch in Bayern gering” teilte Christian Nitsche, der Pressesprecher des Bayerischen Fernsehens mit: “Die Übertragung der hochkarätig besetzten BMW-Open im Jahr 2008 hatte beispielsweise durchschnittlich nur rund 10.000 Zuschauer bayernweit.”

Da hat der DTB keine Argumente mehr. Auch lokal im Dritten oder digital, wie vorige Woche bei den Fed-Cup-Frauen, war damit keine Option. Dem Verband blieb gar nichts anderes übrig, als zu versuchen “neue Wege” zu gehen. Fernsehbilder werden auf jeden Fall produziert, in Argentinien und dem Rest der Welt schauen die Leute Tennis. Produktionskosten und die Einnahmen aus der TV-Vermarktung teilen sich der DTB und der internationale Tennisverband ITF je zur Hälfte. Und so kam das Internet ins Spiel.

In einem kleinen Werbespot bei “Bild.de” wirft Tommy Haas ein veraltetes TV-Gerät aus dem Fenster: “Fernsehen war gestern.” Der Live-Stream im Onlineportal von Deutschlands größter Boulevardzeitung strömt also am Wochenende aus Bamberg. “Wir wollen mal andere Medien ausprobieren und vielleicht mal andere Zielgruppen ansprechen”, begeistert sich Brune für die Internetlösung, “es ist unsere Strategie, Tennis cool zu machen und das Internet ist das Medium der Zukunft.”

Der Teamsponsor der deutschen Mannschaft unterstützt die Online-Übertragung finanziell und mindert damit den Verlust. Durch die Cross-Promotion mit der gedruckten “Bild” fand in den letzten Tagen so viel Tennis statt, wie lange nicht mehr im Boulevard. Und trotzdem gilt zur Zeit, was DTB-Funktionär Brune so ausdrückt: “Tennis ist wieder interessant. Damentennis!”

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