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CSU-Familienpolitiker fordert Gaucks Heirat

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21.02.2012

Gauck-Nominierung CSU-Familienpolitiker fordert Gaucks Heirat

Opposition und FDP empört – Lebenspartnerin will nicht über Privatleben reden.

Berlin/Passau – Empörte Reaktionen hat die Forderung aus der CSU ausgelöst, der designierte Bundespräsident Joachim Gauck solle doch heiraten. Vom Außenminister über SPD und Grüne bis hin zur Linken bekam der CSU-Familienpolitiker Norbert Geis dafür am Dienstag Stillosigkeit bescheinigt. Gaucks Lebenspartnerin, die Journalistin Daniela Schadt, sagte, sie wolle ihr Privatleben “nicht ventilieren”.

Der 72 Jahre alte Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten ist seit 1959 verheiratet und hat vier Kinder. Von seiner Frau lebt er aber seit 1991 getrennt. Seit 2000 ist er mit Schadt liiert.

Die “Passauer Neue Presse” zitierte Geis (73) mit den Worten: “Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird.”

Außenminister Guido Westerwelle hält die Debatte über Gaucks persönliche Verhältnisse für unsäglich. “Die Kritik an den persönlichen Lebensverhältnissen des nominierten Bundespräsidenten ist stillos”, sagte der FDP-Politiker der “Rheinischen Post”. Deutschland sei schließlich ein “modernes Land”.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte: “Das ist keine Staatsaffäre.” Im Nachrichtensender N24 fügte der SPD-Politiker hinzu: “Ich unterstelle mal, dass er seine Lebenspartnerin auch liebt. Und da bin ich dann wiederum auch konservativ, die Frau, mit der ich zusammenlebe und auch weiter zusammenleben will, die kann ich doch auch heiraten.”

Eine scharfe Absage bekam Geis vom SPD-Innenexperten Dieter Wiefelspütz. “Ich kann meinem Freund Norbert Geis nur zurufen: Halt den Mund!”, sagte Wiefelspütz der “Mitteldeutschen Zeitung”. “Das ist eine abwegige Diskussion. Als ob wir keine anderen Sorgen hätten!”

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, sagte: “Wie Herr Gauck sein Privatleben lebt, geht niemanden etwas an. Und es bildet einen Teil der Realität ab, dass auch Unverheiratete zusammen leben. Ich erwarte da von Herrn Geis den entsprechenden Respekt.” Gaucks Privatleben sei geordnet, aber eben “anders geordnet”.

Selbst der Vorsitzende der Linken, die Gauck nicht mitwählen wollen, meldete sich kritisch im Kurznachrichtendienst Twitter zu Wort. Klaus Ernst kommentierte: “Was für eine mittelalterliche Debatte! Es gibt viel, was gegen Gauck als Präsident spricht, seine Lebensverhältnisse gehören nicht dazu.”

“Ein bisschen unwirklich”

Die angehende First Lady selbst ist noch nicht aus dem Staunen herausgekommen. “Ein bisschen unwirklich” findet Gaucks Lebensgefährtin den Gedanken an eine Zukunft im Schloss Bellevue.

Was künftig alles auf sie zukomme, vermöge sie sich nicht recht vorzustellen, sagte Schadt der “Nürnberger Zeitung”. Bei dem Blatt ist Schadt als Leitende politische Redakteurin beschäftigt. “Ich muss mich noch ein bisschen sortieren”, fügte sie hinzu. So richtig wahrhaben könne sie die Umstellung noch nicht. Für diese Woche habe sie sich erst einmal Urlaub genommen, um zu ihrem Partner nach Berlin zu fahren.

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