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Gerd Müller

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26.04.2015

CSU Entwicklungsminister Müller kündigt neue Afrika-Strategie an

„Die Marktverhältnisse müssen sich ändern.“

Berlin – Als Konsequenz aus den Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer will Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) die Hilfen für Afrika neu organisieren: Im Interview der „Welt am Sonntag“ kündigte Müller an, dafür die Wirtschaft in die Pflicht zu nehmen. Es werde Zeit, dass man faire Preise an die afrikanischen Produzenten zahle. „Die Marktverhältnisse müssen sich ändern“, forderte Müller.

Viel zu lange habe Europa den afrikanischen Kontinent mit ausgebeutet, kritisierte der CSU-Politiker. „Wir Europäer haben wertvolle Ressourcen zu Niedrigstpreisen bekommen und den Arbeitskräften Sklavenlöhne gezahlt. Auch auf dieser Ausbeutung gründen wir in Europa unseren Wohlstand“, erklärte er.

Den Kurswechsel in der Afrika-Politik begründete Müller damit, dass man mit einigen zusätzlichen Milliarden für die Entwicklungshilfe die Herausforderungen nicht bewältigen könne. Die Deutsche Wirtschaft könne „uns noch stärker dabei unterstützen, wenn es um das so wichtige Feld der beruflichen Ausbildung geht“.

Auch die europäische Wirtschaft sei aufgefordert, stärker die Chancen des Kontinents zu nutzen und dort zu investieren. Internationale Konzerne müssten jetzt beweisen, dass sie ihr Geld von der Öl- bis zur Schokoladenproduktion nicht auf Kosten der Menschen am Anfang der Produktionskette verdienen.

Als Beispiel nannte Müller Kakao aus Ghana: „Für eine Tafel Schokolade bezahlen wir bei uns im Discounter 59 Cent. Davon bleiben nur zwei Cent im Anbauland. Wären es nur zwei Cent mehr, also vier Cent, würde das bei dem Schokoladenkonsum in Deutschland 120 Millionen Euro mehr ausmachen.“

Müller erklärte auch: „Das alte System vom reichen Europa und dem armen Afrika hat keine Zukunft. Deshalb muss es einen grundlegenden Wechsel in der Entwicklungspolitik geben. Wir brauchen ein ganz neues Denken.“ Man müsse Afrika als gleichberechtigten Partner behandeln.

Über den Markt könne man Milliardensummen in die afrikanischen Länder leiten, „ohne dass es unseren Wohlstand in Europa schmälern würde“, zeigte sich Müller überzeugt. „Das scheint mir der effizienteste Ansatz zu sein. Die zusätzlichen Gelder müssen dann natürlich für die Entwicklung des Landes genutzt werden: Schulen, Krankenhäuser, Straßen.“ Voraussetzung seien der Aufbau eines Steuersystems und klare Vorgaben für die Entwicklung der Haushalte.

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