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“Costa Concordia”: Überlebende erhebt schwere Vorwürfe

© dapd

16.01.2012

Unfälle “Costa Concordia”: Überlebende erhebt schwere Vorwürfe

Passagiere seien zurück in die Kabinen geschickt worden.

Worms – Eine Überlebende des Schiffsunglücks vor der italienischen Küste hat schwere Vorwürfe gegen den Veranstalter erhoben. “Katastrophaler geht es nicht”, sagte die Wormserin Margaret Aumann am Montag im dapd-Interview über die Zustände während der Evakuierung. Die Crew habe trotz der ausbrechenden Panik lange Zeit niemanden in die Rettungsboote gelassen. Die größte Frechheit sei gewesen, dass die Menschen zunächst zurück in die Kabinen geschickt worden seien. Dadurch sei die “kolossale Panik” überhaupt erst ausgebrochen, berichtete die 65-Jährige.

Beim Aufprall der “Costa Concordia” Freitagnacht auf den Felsen habe es “einen riesigen Krach gegeben”. Sie sei mit ihrem Mann Roland zu diesem Zeitpunkt im Theater gewesen. Dieser habe zuerst gemerkt, was los war, und sei aus dem Saal gestürmt. Dort seien schon die ersten Leute mit Rettungswesten herumgelaufen.

In Durchsagen sei nur von einem technischen Defekt die Rede gewesen. “Sonst gab es gar keine Informationen”, sagte Aumann. Während der Evakuierung des Schiffs sei sich jeder selbst der Nächste gewesen. “Jeder wollte in die Rettungsboote rein. Es wurde geschubst und die Ellenbogen eingesetzt”, erzählte sie. Sie und ihr Mann hätten Angst gehabt, dass sie gleich ihren dritten Herzinfarkt erleide.

Dann habe es auch noch Probleme gegeben, als ihr Rettungsboot zu Wasser gelassen wurde. Wie lange es gedauert habe, wisse sie nicht mehr: “Das Zeitgefühl ging völlig verloren. Aber es kam mir unendlich vor”, sagte Aumann, die am Tag nach dem Unglück nach eigenen Worten “nur noch geheult” hat.

Auch der Transport von der Insel aufs Festland und anschließend nach Deutschland sei chaotisch gewesen. Auch hier habe es keine Informationen auf Deutsch gegeben. Mit Bussen seien sie letztlich am Samstagabend bis in die Schweiz gebracht und dort von deutschen Bussen abgeholt worden. Eigentlich habe der Veranstalter die Fahrt bis nach Deutschland organisieren wollen, doch auch dazu sei das Unternehmen “nicht fähig” gewesen, kritisierte Aumann.

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