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Chemie-Chef Voscherau nennt Atom-Ausstieg „Drahtseilakt ohne Sicherheitsnetz

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29.06.2011

Atomausstieg Chemie-Chef Voscherau nennt Atom-Ausstieg „Drahtseilakt ohne Sicherheitsnetz“

Berlin – Nach dem Umsteuern der Regierung in der Atompolitik warnt die Kernbranche Chemie vor großen Risiken für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Der Präsident des Chemie-Arbeitgeberverbands, Eggert Voscherau, warnt in einem Gastbeitrag für die „Bild-Zeitung“ vor einer Gefährdung des exportgetriebenen Aufschwungs durch eine verfehlte Wirtschaftspolitik. Insbesondere „die energiepolitische Diskussion der letzten Wochen“ zeige, „dass uns diese Erfolge zu Kopf gestiegen sind. Wir halten für selbstverständlich, was nicht selbstverständlich ist. Wir ignorieren die Industrie als Grundlage unseres Wohlstandes. Es droht eine systematische Schwächung unserer Existenzgrundlage, wenn die Interessen der Industrie in den wichtigen Debatten weiterhin ausgeblendet werden.“

Wirtschaftliche Errungenschaften hätten nicht ewig Bestand, betonte Voscherau: „Wir haben vergessen, wie Deutschland zu seinem heutigen Wohlstand gekommen ist. Aus unserer wesentlichen Ressource, unserem Wissen, hat die Industrie hochwertige Technologien und Produkte geschaffen. Deutschland erarbeitete sich einen technologischen Spitzenplatz und wurde Exportweltmeister. Wie wird das in 20 Jahren aussehen, wenn die größte Industrie-Volkswirtschaft Europas zeitgleich ihre gesamte industrielle Infrastruktur in Frage stellt?“

Das beste Beispiel dafür sei „der emotionale Ausstieg aus der Kernenergie – ein Drahtseilakt ohne Sicherheitsnetz. Denn parallel wollen wir auch keine modernen Kohlekraftwerke mehr und stellen damit 70 Prozent der Stromversorgung zur Diskussion.“ Strom aber sei „für die Industrie ein Rohstoff, der jede Sekunde verfügbar und wettbewerbsfähig sein muss.“

Gerade in der Frage der Energiewende hätten die Bürger umfassender über die Folgen informiert werden müssen, sagte der Spitzenvertreter der deutschen Chemiewirtschaft: „Wenn man sie will, muss man den Menschen vorher sagen, was die Konsequenz für Industrie, Arbeitsplätze und unseren Wohlstand sein wird. Die dekretierten Ziele für 2021 und 2022 klingen schön, müssen sich aber Jahr für Jahr an der harten Realität des globalen Wettbewerbs messen, in dem die Industrie steht.“

Voscherau appellierte eindringlich an Regierung und Volksvertreter: „Deutschland und sein Kern der Wertschöpfung, die Industrie, brauchen eine Politik zur Unterstützung von Wettbewerbsfähigkeit. Rahmenbedingungen für Wettbewerbsunfähigkeit können wir uns nicht leisten.“

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