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"Wir sind Charlie"-Schild

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12.06.2015

"Charlie Hebdo"-Chefredakteur Wir stehen unter ständigem Polizeischutz

„Viele meiner Kollegen sind seit dem Anschlag in psychologischer Behandlung.“

Paris – Gérard Biard, Chefredakteur der französischen Satire-Zeitung Charlie Hebdo, hat den aktuellen Zustand seiner Redaktion als schwierig bezeichnet. „Viele meiner Kollegen sind seit dem Anschlag in psychologischer Behandlung, sie sind erschöpft“, sagte Biard dem Nachrichtenmagazins Focus.

„Alle stehen unter ständigem Polizeischutz, in der Redaktion, aber auch auf Recherchen und im Privatleben. Das ist schon schwierig. Stellen Sie sich vor, bei Recherchen immer in Begleitung von Polizisten aufzulaufen. Aber das muss wohl sein.“

Über die Atmosphäre in den Redaktionskonferenzen sagte er: „Wir wollen unsere Leser auch zum Lachen bringen und darum wird bei der Arbeit eigentlich viel gelacht. Aber auch das Lachen ist schwieriger geworden. Wir sind ein Symbol geworden – das ist nicht gut, denn es ist nicht die Rolle einer Zeitung.“

Auf die Kritik, Charlie Hebdo sei fremdenfeindlich und islamophob, sagte Biard: „Wir sind es gewohnt, zu kritisieren und auch kritisiert zu werden. Aber es ist falsch zu sagen, dass Charlie Hebdo mit Mohammed-Karikaturen Moslems angreift, die eine schwache Minderheit darstellen. Wir greifen keine Moslems an, sondern radikale islamistische Staaten und auch al-Qaida.“ Und er fügte hinzu: „Der größte Feind der Moslems ist nicht Charlie Hebdo, das sind die Islamisten.“

Zurzeit, so Biard, habe „Charlie Hebdo“ etwa 200.000 Abonnenten, vor dem Anschlag waren es gerade mal 8.000. Der Kioskverkauf sei von 30.000 auf rund 150.000 Exemplare gestiegen. Mehr als 4,3 Millionen Euro Spenden hat „Charlie Hebdo“ bisher erhalten, die Vorsteuergewinne seit Januar dieses Jahres sollen bei zwölf Millionen Euro liegen.

„Die Spenden werden komplett an die Familien der Opfer gehen, das soll ein Rat von Weisen machen, der mit Hilfe des französischen Rechnungshofes gebildet wird. Wir denken auch über eine Überarbeitung der Zeitung und einen Internet-Auftritt nach. Bis zum 7. Januar wussten wir oft nicht, ob wir im nächsten Monat noch existieren würden. Und dann regnet es plötzlich diese Millionen.“

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