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CDU-Fraktionschef Graf gibt Doktortitel zurück

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27.04.2012

Berlin CDU-Fraktionschef Graf gibt Doktortitel zurück

„Wissenschaftlich nicht fehlerfrei gearbeitet“ – Universität Potsdam sieht Plagiatsverdacht.

Berlin – Auch in Berlin gibt es jetzt Wirbel um einen Doktortitel: Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Florian Graf, will seinen 2010 erworbenen Titel an die Universität Potsdam zurückgeben. Das sagte ein Fraktionssprecher am Freitag auf Anfrage und bestätigte damit einen Bericht der „Bild“-Zeitung. Graf unterstrich in einer persönlichen Erklärung, dass er in den vergangenen Wochen festgestellt habe, an einigen Stellen der Arbeit „wissenschaftlich nicht fehlerfrei“ gearbeitet zu haben. Die Universität Potsdam sprach von einem „Plagiatsverdacht“.

Zugleich kündigte der 38-jährige Graf an, seinen Verbleib im Amt in die Hände seiner Kollegen zu legen. Er plane, am Donnerstag in einer Sonderfraktionssitzung in geheimer Abstimmung die Vertrauensfrage zu stellen. Graf führt die Fraktion seit Dezember 2011.

Die Arbeit hatte bislang wegen der geplanten Veröffentlichung in der „Zeitschrift für Parlamentsfragen“ einem Sperrvermerk unterlegen und war der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Das sei ein übliches, aber nicht allzu häufiges Verfahren, wenn ein Medium Interesse an der Erstveröffentlichung des Inhalts einer solchen Arbeit hat, erläuterte der Fraktionssprecher.

Nach Angaben der Universität Potsdam war zunächst die Sperrfrist am 24. und 25. April überprüft worden. Nachdem dann Zweifel an der wissenschaftlichen Qualität der Dissertation aufgekommen waren, habe die zuständige Dekanin eine Prüfung veranlasst. „Daraus ergab sich ein Plagiatsverdacht, zu dem Dr. Graf um Stellungnahme gebeten wurde.“ Daraufhin hat Graf nach Darstellung der Universität den Antrag auf Entziehung des Doktorgrades gestellt. Über den Antrag wolle der Promotionsausschuss der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät am Mittwoch (2. Mai) entscheiden.

Graf verweist in seiner Erklärung darauf, dass ihm selbst jetzt bei der Erarbeitung des Manuskripts für die Zeitschrift „Zweifel gekommen“ seien, ob er den sich selbst gestellten Ansprüchen „auch im Hinblick auf ein Standhalten meiner Dissertation in der Öffentlichkeit gerecht werden kann“. Da er dem nicht gerecht werden könne, habe er die Konsequenzen gezogen. Graf hatte sich in seiner Arbeit mit dem Entwicklungsprozess einer Oppositionspartei nach dem abrupten Ende langjähriger Regierungsverantwortung am Beispiel der Berliner CDU von 2001 bis 2006 beschäftigt.

In jüngster Vergangenheit gab es bundesweit mehrere Plagiatsaffären von Spitzenpolitikern. In den Reihen der FDP war der „Doktorschwund“ besonders hoch. So wurde zuletzt den liberalen Europapolitikern Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis sowie dem Bundestagsabgeordneten Bijan Djir-Sarai und der Parteiberaterin Margarita Mathiopoulos der akademische Grad aberkannt. Bei der CSU verlor Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Titel. Zudem sieht sich die Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, Veronica Saß, mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Die Münchener Juristin ficht die Aberkennung des Titels aber derzeit mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht Freiburg an.

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) durfte indes nach einem Prüfverfahren seinen akademischen Grad behalten. Zuständig war in seinem Fall ebenfalls die Universität Potsdam. Zwar bescheinigte eine Kommission der umstrittenen Dissertation eine Vielzahl formaler Mängel. Jedoch erfüllten die Verstöße nicht den Tatbestand des wissenschaftlichen Fehlverhaltens, hieß es.

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