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Bundeswehr wechselt Kommando über ISAF-Truppen

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26.02.2012

Afghanistan Bundeswehr wechselt Kommando über ISAF-Truppen

Kneip lobt deutliche Fortschritte am Hindukusch – Hohe US-Ehrung für scheidenden General.

Masar-i-Scharif – Überschattet von teilweise gewalttätigen Demonstrationen in Afghanistan hat die Bundeswehr im Norden des Landes das Kommando über die dort stationierten mehr als 10.000 ISAF-Soldaten gewechselt. In einer feierlichen Zeremonie auf dem Hauptstützpunkt in Masar-i-Scharif übergab Generalmajor Markus Kneip das Kommando an seinen Nachfolger Generalmajor Erich Pfeffer.

Pfeffer, Kommandeur der 13. Panzergrenadierdivision Leipzig, soll in den kommenden zwölf Monaten die nächste Etappe des Abzugs der deutschen Truppen einleiten. Bis Anfang 2013 sollen weitere 500 Soldaten und damit mehr als zehn Prozent der gegenwärtig knapp 4.900 Soldaten das Land verlassen haben.

Kneip: Koranverbrennung war „großer Fehler“

Kneip warnte in einem dapd-Interview davor, bei den seit Tagen anhaltenden Unruhen mit mehr als 28 Toten auf die Propaganda der radikalislamischen Taliban hereinzufallen. Die Demonstrationen seien durch ein „Einzelereignis“ hervorgerufen worden und hätten keine „neue Qualität“, sagte der General. Zugleich sagte er, die Koran-Verbrennung durch US-Soldaten sei ein „großer Fehler“ gewesen. Dafür habe sich aber die US-Seite umgehend entschuldigt.

Kneip nutzte die Kommandoübergabe, um bei den Afghanen ebenfalls um Verzeihung zu bitten. Die Verbrennung der für Muslime heiligen Schrift sei ein „schrecklicher Irrtum“ gewesen, sagte er. Laut NATO-Angaben waren auf dem US-Stützpunkt Bagram die Korane am 19. Februar versehentlich zu einer Grube zur Müllverbrennung gebracht worden. Dies löste Proteste in ganz Afghanistan aus, die auch den deutschen Verantwortungsbereich im Norden des Landes erfassten.

Trendwende bei ISAF-Einsatz erreicht

Für Kneip hat sich der Einsatz der Internationalen Schutztruppe (ISAF) trotz der jüngsten Unruhen „sehr positiv“ entwickelt. Im Frühjahr 2011 habe die ISAF eine „Trendwende“ erreicht. Erstmals hätten Afghanen bei Operationen selbst die Verantwortung übernommen. Heute seien die afghanischen Sicherheitskräfte in der Lage, zunehmend allein die Verantwortung zu übernehmen.

Daher sehe er dem geplanten Abzug der Kampftruppen bis Ende 2014 mit Zuversicht entgegen, sagte Kneip. Zwar wolle er angesichts der neuerlichen Unruhen nicht von Erfolgen sprechen, doch seien „Fortschritte“ unübersehbar. Diese gelte es jetzt zu stabilisieren.

Hohe Ehrung für Kneip

Zu der Zeremonie im Bundeswehrfeldlager in Masar-i-Scharif war auch der amerikanische ISAF-Kommandeur John Allen aus Kabul gekommen. Er zeichnete Kneip für seinen Einsatz mit dem hohen US-Orden Legion of Merit aus.

Auch der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, Generalleutnant Rainer Glatz, würdigte Kneip für seine „soldatische Pflichterfüllung, die beispielgebend ist“. Kneip war im Mai vergangenen Jahres bei einem Selbstmordanschlag beinahe ums Leben gekommen und nach seiner Genesung nach Afghanistan zurückgekehrt.

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