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Bundeswehr-Soldaten

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14.05.2017

Bundeswehr Unmut über Entfernen von Schmidt-Foto wächst

„Da würde ich eigentlich geistige Trennschärfe erwarten.“

Berlin – Nach der Entfernung eines Fotos von Altkanzler Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform an der Universität der Bundeswehr in Hamburg, wächst die Kritik an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

„Ich halte das Vorgehen für absurd und abwegig – als hätte Schmidt irgendetwas mit rechtsradikalen Tendenzen zu tun. Da würde ich eigentlich geistige Trennschärfe erwarten“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs, Mitglied im Kuratorium der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung, der „Welt am Sonntag“. Er könne nicht verstehen, wie man der gesamten Bundeswehr ein „solches Misstrauensvotum“ aussprechen könne, anstatt sich vor die Truppe zu stellen. „Es stehen alle unter Generalverdacht, nur die Ministerin nicht.“

Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte der Zeitung: „Die Truppe ist durch die von der Ministerin geprägte Misstrauenskultur tief verunsichert. Jetzt kommt es insbesondere darauf an, zu verhindern, dass aus der Vertrauenskrise der Soldaten gegenüber ihrer politischen Führung nicht eine grundsätzliche Vertrauenskrise auch gegen ihre militärische Führung wird. Das wäre fatal!“

Arnold forderte die Entlassung von rechtsextrem gesinnten Soldaten. „Es ist eine Anweisung der Ministerin nötig, dass Soldaten mit rechtsextremem Gedankengut grundsätzlich aus der Bundeswehr entlassen werden müssen. Geldstrafen reichen hier nicht aus, weil Sie an einer solchen Einstellung nichts ändern können“, sagte Arnold. Außerdem sollten entsprechende Verfahren künftig prinzipiell nicht mehr zu den Akten gelegt werden. „Man muss diese Soldaten weiter beobachten“, sagte Arnold.

Der Historiker Michael Wolffsohn und Thomas Krüger, der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, diskutieren das Thema in Gastbeiträgen für die Sonntagszeitung. Während Wolffsohn sich dafür ausspricht, das Foto von Schmidt in Wehrmachtsuniform hängen zu lassen und zu kommentieren, plädiert Krüger für die Entfernung des Bildes.

Wolffsohn begründet seine Haltung mit den Kriegserlebnissen von Schmidt: „Die Selbstdarstellungen seiner Kriegserlebnisse sind zumindest widersprüchlich.“ Schmidts Biografie und das Dienen in Hitlers Armee sei „Teil der Weltkriegstragödie“. Laut Krüger sind Schmidts Verdienste zwar unbestritten, aber seine Funktion in der Wehrmacht als Offizier hält er nicht für ein Verdienst, dass er sich erworben habe.

Aus dem Traditionserlass der Bundeswehr, wonach ein Unrechtsregime wie das Dritte Reich keine Tradition begründen dürfe, könne der berechtigte Schluss gezogen werden, „dass eine Fotografie des Wehrmachtsoffiziers Helmut Schmidt in seiner Uniform nicht zu den Herzstücken der Traditionspflege der Bundeswehr gehört“. Aber Krüger zufolge müsse man auch bedenken: „Allein mit Symbolakten, wie dem Abhängen von Wehrmachtsfotos ist noch nie ein gesellschaftliches Problem gelöst worden.“

Die „Welt am Sonntag“ veröffentlicht exklusiv einen Brief aus dem Nachlass von Helmut Schmidt an den ehemaligen Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) aus dem Jahr 1998, in dem der Altkanzler seine Standpunkte zu Schuld und Nicht-Schuld der Wehrmachtsoldaten darlegt.

Schmidt zufolge gibt es weder eine kollektive Ehre noch eine kollektive Schuld. „Vielmehr gab es unter fünf Millionen Soldaten, die insgesamt der Wehrmacht angehört haben, auch militärische Verbrecher“, schreibt Schmidt. Aber ebenso habe eine Mehrheit „persönlich schuldloser Soldaten“ in der Wehrmacht gedient. „Millionen Deutscher sind ohne persönliche Schuld in Hitlers Angriffskrieg verstrickt worden, ähnlich wie beispielsweise Zigtausende Franzosen ohne persönliche Schuld in Napoleons Angriffskriege oder Zigtausende Russen ohne persönliche Schuld in den sowjetischen Angriffskrieg in Afghanistan verwickelt worden sind“, so Schmidt.

Gleichzeitig machte er klar: „Hitlers Weltkrieg, der Holocaust und alle anderen Verbrechen während der Nazi-Zeit werden noch über lange Generationen auf dem Bewusstsein der Deutschen und unserer Nachbarn lasten.“ Außerdem mahnt Schmidt: „Jeder einzelne trägt Mitverantwortung dafür, dass sich dergleichen niemals wiederholen kann.“

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