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Bundespräsident außer Dienst

© dapd

17.02.2012

Wulff-Rücktritt Bundespräsident außer Dienst

Christian Wulff tritt im Beisein seiner Frau im Schloss Bellevue zurück.

Berlin – Es ist vorbei. Bundespräsident Christian Wulff tritt am Freitag im Großen Saal von Schloss Bellevue vor die Kameras und verkündet seinen Rücktritt. Deutschland brauche einen Bundespräsidenten, “der von dem Vertrauen nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Bürger getragen wird”, sagte der 52-Jährige. Die Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen habe ihm gezeigt, dass dieses Vertrauen nachhaltig beeinträchtigt sei. Er wolle nun den Weg zügig für seine “Nachfolge freimachen”.

Wulff geht schnellen Schrittes im Blitzlichtgewitter zu seinem Rednerpult, seine Frau Bettina begleitet ihn. Er trägt langsam und gefasst, mit ruhiger Stimme, die vorbereitete knapp vierminütige Erklärung vor. Der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident sagt, er sei überzeugt, dass die anstehende rechtliche Klärung “zu einer vollständigen Entlastung” führen wird. “Ich habe Fehler gemacht, aber ich war immer aufrichtig”, betont er und sagt mit Blick auf die Medienberichte über ihn: “Die Berichterstattungen, die wir in den vergangenen zwei Monaten erlebt haben, haben meine Frau und mich verletzt.”

Bettina Wulff, im schwarzen kurzen Kostüm, wendet den Blick keine Minute von den Kameras. Tapfer lächelnd behält sie eisern die Haltung. Auch als ihr Mann ihr mit den Worten dankt, sie habe ihm “immer, gerade auch in den vergangenen Monaten, und auch den Kindern, starken Rückhalt gegeben”. Gemeinsam mit ihm verlässt sie den Saal wieder – das ehemalige Präsidentenpaar gönnt den Kameras jedoch keine Berührung.

“Berichterstattung hat mich verletzt”

Wulff stand seit Wochen wegen eines umstrittenen Privatkredits und Urlauben bei Freunden in der Kritik. Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Hannover einen Anfangsverdacht wegen Vorteilsannahme beziehungsweise Vorteilsgewährung gegeben sieht und die Aufhebung der Immunität beantragt.

Mit dieser Ankündigung wurde gemutmaßt, dass Wulff nicht im Amt verbleiben wird. Angeschlagen wirkte der Präsident bereits auf seiner jüngsten Auslandsreise in Italien. Dort muss ihm klargeworden sein, dass ihn die Vorwürfe nicht mehr loslassen werden, egal wo er ist, egal was er tut. Doch noch im Flugzeug am Mittwoch hatte er seine geplante Reise nach Afrika Ende Februar angekündigt. Doch der Staatsbesuch in Italien sollte der letzte gewesen sein. Als bekannt wurde, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ebenfalls eine Erklärung am Freitagvormittag abgeben wollte, war im politischen Berlin klar, dass Wulff sich nicht mehr halten würde.

Vor der Erklärung war es am Freitagmorgen zu tumultartigen Szenen vor dem Schloss Bellevue gekommen. Kameramänner und Fotografen stürmten die kleine Tür, die zum Saal hinauf führt. Als die Nachrichtensender dann eine halbe Stunde später die Bilder der Erklärung zeigten, stand unter Wulffs Namen schon “Bundespräsident a. D.”

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