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10.10.2009

Bundesnachrichtendienst KGB wollte 1990 die Stasi übernehmen

Berlin/Moskau – Laut Dokumenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) hat Kreml-Chef Michail Gorbatschow 1990 Interesse daran bekundet, die Auslandsspionage der Stasi sowie das gesamte IM-Netz in der DDR vom KGB übernehmen zu lassen. Das geht aus umfangreichen Aktenbeständen des BND zum Mauerfall hervor, die der Dienst auf Antrag des „Spiegel“ freigegeben hat. Laut BND hatte der damalige DDR-Regierungschef Hans Modrow gegenüber Gorbatschow ein entsprechendes Angebot unterbreitet. Den Geheimdienstpapieren zufolge soll Modrow damit geworben haben, das Agenten- und Informantennetz der Stasi erfasse „weitestgehend das Parteien- und Oppositionsspektrum in der DDR“. Modrow bestreitet die BND-Version heute: „Nichts von dem ist wahr.“ Aus den BND-Unterlagen geht auch hervor, dass Gorbatschow offenbar schon 1988 gegenüber SED-Generalsekretär Erich Honecker erklärte, „unter seiner Führung werde die Sowjetunion nicht intervenieren, um eine Partei bzw. Obrigkeit vor unzufriedenen Massen zu schützen“. Demnach hat der Kreml-Chef bereits vor dem Mauerfall die sowjetische Bestandsgarantie für die DDR widerrufen. Der BND befragte bis 1989 systematisch Hunderte von DDR-Bürgern. Die Auswertungen liegen nun erstmals vor. Ein Großteil der Ostdeutschen bekannte sich laut den Geheimdienstunterlagen zur Einheit der Nation und lehnte das SED-Regime ab. Dennoch kamen der Mauerfall und der Untergang der DDR für den Dienst überraschend. Hinter der Grenzöffnung am 9. November 1989 vermutete der BND sogar einen vermeintlich klugen Schachzug von Honecker-Nachfolger Egon Krenz. Aus dem Politbüro der SED berichtete der Dienst viel Kurioses. Zwei Tage vor dem Mauerfall meldete er ans Kanzleramt, der bereits gestürzte Honecker habe sich in den Westen abgesetzt. Er sei zuerst zu seiner Schwester ins Saarland und dann in die Schweiz weitergereist. In Wahrheit saß Honecker noch in Wandlitz.

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© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

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