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27.08.2010

Buch-Publikation zum Fall Metzler gestoppt

Berlin – Die Veröffentlichung des Buches „Um Leben und Tod – Wie weit darf man gehen, um das Leben eines Kindes zu retten: Der Fall Jakob von Metzler – Protokoll eines Verbrechens“ von Ortwin Ennigkeit ist gestoppt. Ursprünglich hatte der Münchner Heyne-Verlag die Publikation für September 2010 angekündigt.

Ennigkeit ist der Polizeibeamte, der im September 2002 dem Entführer des Frankfurter Bankierssohnes Jakob von Metzler, Magnus Gäfgen, die „Zufügung von Schmerzen“ angedroht hatte, falls er nicht das Versteck des Kindes verrate. Der Elfjährige wurde danach tot aufgefunden. Ennigkeit hatte auf Weisung des damaligen Frankfurter Polizeivizepräsidenten Wolfgang Daschner gehandelt. In der Folge entbrannte eine rechtspolitische Diskussion über Folter. Ennigkeit wurde wegen Nötigung verurteilt.

Nach Recherchen der „Frankfurter Rundschau“ wurde die Publikation gestoppt, da der Frankfurter Polizeipräsident Achim Thiel dem Autoren davon abgeraten hat, sein Buch zu veröffentlichen. Das bestätigte der Sprecher des Frankfurter Polizeipräsidiums, Jürgen Linker. Als Beamter unterliege Ennigkeit der Verschwiegenheitspflicht. Nach Meinung seines Vorgesetzten, so Linker, verrate er in dem Buch Dienstgeheimnisse.

„Wir können ihn nicht davon abhalten, das Buch zu veröffentlichen, aber im Rahmen unserer Fürsorgepflicht haben wir ihm empfohlen, es zu lassen“, sagte Linker. Der Verrat von Dienstgeheimnissen kann einen Straftatbestand darstellen, zumindest drohen Polizeibeamten Disziplinarmaßnahmen. Zu Inhalten des Buches und um welche Art Dienstgeheimnisse es sich handelt, könne Linker nichts sagen, da er selbst das Buch nicht kenne.

Polizeipräsident Thiel, einer der wenigen, die es bereits gelesen haben, wollte sich persönlich gegenüber der Zeitung nicht äußern. Ob Thiel auf Weisung des Hessischen Innenministeriums handelte, ist unklar. Heyne-Verlag und Autor hätten „wegen der wieder offenen juristischen Fragen nach dem kürzlich ergangenen Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte beschlossen, das geplante Buchprojekt vorerst nicht zu veröffentlichen“, sagte eine Sprecherin des Verlages.

Der inhaftierte Gäfgen hatte im Juni dieses Jahres vor dem Straßburger Gericht einen Teilerfolg bei seiner Klage wegen der Androhung von Folter erzielt. Die Richter warfen Deutschland mangelnde juristische Aufarbeitung des Falls vor, die Bestrafung der Polizeibeamten sei zu milde gewesen. Ennigkeit selbst will sich zu seinem Buch derzeit nicht äußern. Er hoffe nur, dass es in irgendeiner Form noch erscheine.

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© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

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