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Breivik wollte Ex-Ministerpräsidentin enthaupten

© AP, dapd

19.04.2012

Norwegen Breivik wollte Ex-Ministerpräsidentin enthaupten

Geständiger Attentäter plante weitere Anschläge – Intensive Vorbereitung mit Computerspielen.

Oslo – Der geständige Massenmörder Anders Behring Breivik wollte während des von ihm verübten Massakers auf der Insel Utöya nach eigenen Angaben die frühere norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland entführen und ihr den Kopf abschlagen. Die Enthauptung der ehemaligen Regierungschefin und einstigen Vorsitzenden der Arbeiterpartei habe er filmen und das Video anschließend im Internet veröffentlichen wollen, sagte Breivik am Donnerstag vor Gericht.

Brundtland hatte das Jugendlager der Arbeiterpartei auf Utöya bereits verlassen, als der 33-jährige Attentäter am 22. Juli dort eintraf. Zu seinen Plänen für Brundtland hätten ihn Enthauptungen inspiriert, die vom Terrornetzwerk Al-Kaida verübt würden, sagte der rechtsextreme Breivik. Die Enthauptung sei aber „eine traditionelle europäische Todesstrafe. Sie sollte als sehr mächtige psychologische Waffe eingesetzt werden“, sagte er.

Während des vierten Prozesstags am Donnerstag erklärte Breivik, er habe ursprünglich drei Bombenanschläge in der norwegischen Hauptstadt Oslo geplant. Unter anderem habe er eine Bombe am Königspalast zünden wollen. Allerdings habe er gemerkt, dass schon das Herstellen von nur einer Bombe „viel komplizierter war, als ich es gedacht hatte“. Daher habe er sich für einen Bombenanschlag und ein Attentat mit einer Schusswaffe entschieden, erklärte Breivik.

Zu den von ihm favorisierten Zielen für ein Massaker mit einer Schusswaffe hätten eine jährliche Konferenz norwegischer Journalisten oder die Jahrestagung der Arbeiterpartei gezählt, sagte Breivik. Weil er sich dafür nicht rechtzeitig habe vorbereiten können, habe er sich für einen Anschlag auf das Jugendlager der Arbeiterpartei entschieden.

In dem am 22. Juli 2011 schließlich umgesetzten Plan habe er kaum damit gerechnet, Oslo lebend verlassen zu können, sagte Breivik weiter. Er habe erwartet, dass er auf dem Weg aus der Stadt heraus zum Jugendlager auf Utöya auf bewaffnete Polizisten stoßen werde. „Ich schätzte meine Überlebenschance auf weniger als fünf Prozent“, sagte er zu Beginn des Verhandlungstages.

Um sich auf ein solches Szenario vorzubereiten, habe er sich eine einjährige Auszeit genommen, um 16 Stunden täglich das Online-Spiel „World of Warcraft“ zu spielen. Ab 2010 habe er dann gezielt viele Stunden in der Woche mit dem Spiel „Modern Warfare“ verbracht, um ein besseres Gefühl für den Umgang mit Schusswaffen zu bekommen. Der damit verbundene Abbruch sozialer Kontakte habe es ihm erleichtert, sich auf die bereits 2006 als Selbstmord-Operation geplanten Anschläge vorzubereiten, sagte Breivik.

Breivik wurde noch am Abend der Anschläge von Oslo und Utöya von der Polizei festgenommen und hat die Anschläge bereits gestanden. Die entscheidende Frage in dem auf zehn Wochen terminierten Verfahren wird die Schuldfähigkeit des Angeklagten sein. Zwei Gutachten kamen hier zu gegensätzlichen Ergebnissen.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass Norwegen offenbar eine deutsche Sympathisantin Breiviks ausgewiesen hat. Wie der norwegische Fernsehsender TV2 auf seiner Website berichtete, versuchte die Frau zum Prozessauftakt am Montag in das Gerichtsgebäude in Oslo zu gelangen. Sie sei am Vortag aus Stuttgart angereist und habe für 14 Tage ein Hotel gebucht, um den Prozess zu verfolgen, hieß es. Die Frau soll Briefe an Breivik geschrieben und erklärt haben, dessen Freundin zu sein. Der deutschen Polizei soll sie bekannt sein.

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