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Breivik studierte Anschläge der Al-Kaida

© AP, dapd

20.04.2012

Prozess in Oslo Breivik studierte Anschläge der Al-Kaida

Geständiger Attentäter nennt Terrorgruppe eine Inspirationsquelle für Rechtsextreme.

Oslo – Der norwegische Rechtsextremist Anders Behring Breivik hat sich vor seinen Bluttaten von Oslo und Utöya mit mehr als 600 Anleitungen zum Bombenbau und mit den Anschlägen von Al-Kaida befasst. „Ich habe jede ihrer Aktionen studiert, das, was sie falsch gemacht und was sie richtig gemacht haben“, sagte er am Freitag vor Gericht über das islamistische Terrorgruppe. Vor allem habe er sich über den Bombenanschlag auf das Word Trade Center 1993 informiert.

Al-Kaida bezeichnete Breivik als „die erfolgreichste Revolutionsbewegung der Welt“ und als Inspirationsquelle für rechtsextreme Militante – auch wenn deren Ziele unterschiedlich seien. „Wir wollen eine europäische Version von Al-Kaida schaffen“, erklärte er. Als Informationsquelle nannte Breivik zudem das Bombenattentat von Oklahoma City von 1995, das vom regierungsfeindlichen US-Bürger Timothy McVeigh verübt wurde.

Breivik hat zugegeben, am 22. Juli vergangenen Jahres bei einem Bombenanschlag in Oslo acht Menschen getötet und auf der Insel Utöya 69 Menschen erschossen zu haben. Allerdings hält er sich nicht im juristischen Sinne für schuldig, sondern wähnt sich auf einem Feldzug gegen den Multikulturalismus.

Seine völlige Reuelosigkeit und die emotionslose, faktenorientierte Darstellung seiner Taten stellen vor allem die Familien seiner Opfer vor eine große Belastungsprobe. Von seinen Verteidigern am Freitag darauf angesprochen, antwortete Breivik, er bediene sich der technischen Ausdrucksweise absichtlich, um Haltung zu bewahren. „Das sind grausame Taten, barbarische Taten“, sagte der 33-Jährige. „Wenn ich versucht hätte, eine normalere Sprache zu gebrauchen, würde ich wohl überhaupt nicht mehr sprechen können.“

Auf die Frage eines Opferanwalts, warum er keinerlei Mitleid für seine Opfer zeige, erklärte Breivik: „Ich kann den mentalen Schutzschild ablegen, wenn ich will, aber ich mache es nicht, weil ich sonst nicht überleben würde.“ Dabei verglich er sich mit einem japanischen Banzai-Kämpfer zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Gleichzeitig kritisierte er norwegische Männer. Zu viele von ihnen seien „feminisiert, kochten und zeigten Gefühle“, sagte der Rechtsextremist.

Breivik ist wegen Terrorismus‘ und vorsätzlichen Mordes angeklagt. Im Falle einer Verurteilung droht ihm die Höchststrafe von 21 Jahren Haft. Die Freiheitsstrafe könnte verlängert werden, wenn er nach Ende seiner Haftzeit weiterhin als Gefahr für die öffentliche Sicherheit eingestuft wird. Sollte das Gericht dem Gutachten folgen, in dem der Angeklagte als psychisch krank beurteilt wird, dürfte Breivik in eine geschlossene psychiatrische Anstalt eingewiesen werden.

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