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Polizei untersucht Hauselektronik

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11.03.2013

Brand in Backnang Polizei untersucht Hauselektronik

Muslimische Vertreter fordern Ermittlungen in alle Richtungen.

Backnang/Stuttgart – Bei den Ermittlungen zur Ursache eines Brandes mit acht Toten in Backnang bei Stuttgart konzentriert sich die Polizei auf die Hauselektronik. Dazu gehören neben einem Heizofen auch andere technische Geräte sowie Stromleitungen, wie ein Polizeisprecher am Montag auf dapd-Anfrage sagte. Einen Brandanschlag schließen die Ermittler nach derzeitigem Stand aus. Dennoch fordern muslimische Vertreter, keine Möglichkeit vorschnell außer Betracht zu lassen.

Der Polizeisprecher sagte weiter, die kriminaltechnischen Untersuchungen in dem ausgebrannten Gebäude am Montag hätten noch keine Ergebnisse geliefert. Obwohl sich die Ermittler auf die Elektronik konzentrieren, sei unklar, ob der Brand in der ehemaligen Lederfabrik durch einen technischen Defekt verursacht worden sei. „Wir wissen es noch nicht und wollen uns da noch nicht festlegen“, betonte der Sprecher. Es werde deshalb in alle Richtungen ermittelt.

Schon kurz nach dem Feuer waren Spekulationen über die mögliche Brandursache laut geworden. Bekannte der Familie hatten von maroden Zuständen in dem Gebäude berichtet, so soll es etwa Probleme mit den elektrischen Leitungen gegeben haben. Der Polizeisprecher sagte, das sei ein weiterer Punkt der Ermittlungen. Weitere Angaben machte er dazu nicht.

Bei dem Brand in Backnang waren am Sonntag eine türkischstämmige Mutter und sieben ihrer zehn Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und 16 Jahren ums Leben gekommen. Ein elfjähriger Sohn, die Großmutter und ein Onkel konnten sich auf einen Balkon retten und überlebten. Der große Gebäudekomplex, in dem sich neben Wohnungen auch Gaststätten und ein deutsch-türkischer Kulturverein befinden, wurde bei dem Feuer schwer beschädigt und war zeitweise einsturzgefährdet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte bestürzt auf den Brand. Vizeregierungssprecher Georg Streiter sagte am Montag in Berlin, „dass die Bundeskanzlerin zutiefst erschüttert ist über diese furchtbare Katastrophe“. Merkel habe keine Zweifel, dass die Behörden nicht ruhen, bis die Brandursache aufgeklärt ist.

Ein Sprecher des Außenministeriums fügte hinzu, Deutschland sehe kein Misstrauen der Türkei in die Ermittlungsarbeit der deutschen Behörden. Auf Bundesebene seien derzeit auch keine Anfragen der türkischen Sicherheitsbehörden bekannt, eigene Ermittler zur Aufklärung der Brandursache nach Baden-Württemberg zu schicken.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland forderte derweil eine umfassende Aufklärung der Brandursache. „Wir erwarten, dass die Behörden akribisch vorgehen und nichts von vornherein ausschließen“, sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek auf dapd-Anfrage. „Derzeit kann und darf man nichts ausschließen“, fügte er hinzu und lobte die Ermittler für ihr sensibles Vorgehen bei der Suche nach der Brandursache.

Bereits am Sonntag hatte die türkisch-islamische Union Ditib eine umfassende Ermittlung gefordert. Es werde erwartet, dass die Behörden „in alle Richtungen gleichermaßen ermitteln und keine Option vorschnell außer Acht lassen“. „Nur durch ein rasches, transparentes und glaubwürdiges Ermittlungsergebnis kann unnötigen Spekulationen vorgebeugt werden“, hieß es. Zugleich appellierte die Union an alle Akteure, besonnen und mit Umsicht mit dem Thema umzugehen.

Die baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) zeigte sich schockiert vom Tod der acht Menschen. „Ihr Tod erfüllt mich mit großer Trauer. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen“, sagte Öney am Montag in Backnang, wo sie den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aussprach. Bereits am Sonntag waren Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und der türkische Botschafter in Berlin, Hüseyin Avni Karslioglu, nach Backnang gekommen und hatten den Hinterbliebenen ihr Beileid bekundet.

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