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Forscher entdecken Ursache bei Übergewichtigen

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30.03.2012

Bluthochdruck Forscher entdecken Ursache bei Übergewichtigen

Fettgewebe saugt gefäßschützenden Botenstoff auf wie ein Schwamm.

Potsdam-Rehbrücke – Ein neu entdeckter Mechanismus ist die Ursache dafür, dass Menschen mit krankhaftem Übergewicht häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Ihr Fettgewebe nimmt besonders viel von einem blutdrucksenkenden Botenstoff auf. Dadurch fehlt dieses Hormon im Blut und kann seine Schutzwirkung für Herz und Gefäße nicht entfalten. Diesen Zusammenhang hat ein internationales Forscherteam unter Leitung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam-Rehbrücke aufgeklärt. Vor allem der bei krankhaftem Übergewicht erhöhte Insulinspiegel sei für diesen Prozess verantwortlich. Die neuen Erkenntnisse lieferten nun Ansatzpunkte, um neue Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism“ (doi: 10.1210/jc.2011-2839).

Der als atriales natriuretisches Peptid (ANP) bezeichnete Botenstoff wird im Herzen gebildet. Normalerweise geben Zellen im rechten Vorhof ihn ab, sobald die Herzwand durch hohen Blutdruck gedehnt wird. Zirkuliert der Botenstoff im Blut, entspannt er die Muskulatur, senkt das Durstgefühl und regt die Nieren zur vermehrten Ausscheidung von Harn an. Dies trägt dazu bei, den Blutdruck wieder zu senken, und schützt so vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose, Herzinfarkt oder Schlaganfällen.

Insulin vermehrt Andockstellen für Schutz-Botenstoff

Doch dieser Steuermechanismus ist bei Menschen mit starkem Übergewicht gestört: Weil sie zu Bluthochdruck neigen, müsste bei ihnen eigentlich besonders viel ANP produziert werden und zirkulieren. Stattdessen findet sich bei diesen Personen besonders wenig ANP im Blut. Warum das so ist, haben die Forscher nun aufgeklärt. Demnach führt der chronisch erhöhte Insulinspiegel dazu, dass im Fettgewebe besonders viele Andockstellen für ANP produziert werden. Der mit dem Blut herangespülte Botenstoff bindet an diese Rezeptoren und wird so vom Fettgewebe regelrecht aufgesaugt.

„Unsere Beobachtungen zeigen damit erstmals einen bislang unbekannten direkten Zusammenhang zwischen den erhöhten Insulinspiegeln, dem Fettgewebe und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt Studienleiterin Natalia Rudovich vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung.

Aussicht auf neue Medikamente gegen Bluthochdruck

Der Effekt des Insulins auf den Botenstoff ANP eröffnet auch neue Ansätze für Medikamente gegen Bluthochdruck, sagen die Forscher. So habe man bereits festgestellt, dass bestimmte Arzneimittel, die bei der Behandlung von Diabetes Typ 2 eingesetzt werden, als Nebeneffekt auch positiv auf das Herz-Kreislauf-System wirken. Jetzt wäre es darüber hinaus möglich, gezielt Medikamente zu entwickeln, die beispielsweise das Einfangen des Botenstoffs durch die Fettzellen verhindern und so den Blutdruck senken helfen.

Für ihre Studie hatten die Forscher Proben von Fettgewebe untersucht, die 157 Versuchsteilnehmern entnommen worden waren. 108 Probanden hatten einen chronisch erhöhten Insulinspiegel. In ihrem Fettgewebe waren deutlich mehr Gene aktiv, die die Andockstellen für den ANP-Botenstoff im Fettgewebe produzierten, wie die Forscher berichten.

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