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Das Schulbuch soll digital werden

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14.02.2013

Bildung Das Schulbuch soll digital werden

Virtuelle Lehrbücher sind ein Schwerpunkt der Bildungsmesse Didacta.

Köln – Keine Tintenflecke mehr im Schulbuch, keine ausgerissenen Seiten und erst recht kein unleserliches Gekritzel der früheren Ausleiher: Digitale Schulbücher haben viele Vorteile. Doch sind sie bislang kaum verbreitetet. Das soll sich aber ändern. Auf der europaweit größten Bildungsmesse didacta, die am Dienstag (19. Februar) in Köln beginnt, sind die elektronischen Lehrbücher ein Schwerpunkt. Lehrer und Eltern halten das Konzept aber noch für unausgereift.

„Im Grunde genommen wird das Printschulbuch abgebildet“, erklärt Dagny Ladé vom Verband Bildungsmedien das Prinzip. Schüler und Lehrer kaufen den Code für das Buch beim jeweiligen Verlag, anschließend können sie über die verlagsübergreifende Plattform digitale-schulbuecher.de auf ihr persönliches Buchregal zugreifen und in den Lehrwerken blättern. „Man kann auch Bilder vergrößern, Videos zeigen und Dokumente hinterlegen“, beschreibt Ladé die Funktionen.

Anfang November gestartet, gibt es auf der Internet-Plattform etwa 7.000 registrierte Nutzer und 800 verfügbare Titel – sehr wenig im Vergleich zu den Tausenden verfügbaren Schulbüchern. „Das ist ganz klar ein Startangebot“, beruhigt Irina Groh, Pressesprecherin von Cornelsen. Der Verlag ist einer von siebzehn, die Bücher in digitaler Form zur Verfügung stellen.

Sowohl von Zuhause als auch in der Schule sollen die Kinder und Jugendlichen in Zukunft auf das Buch zugreifen können. Für die Verlage steht aber die Arbeit in den Klassen im Vordergrund. „Es ist primär gedacht für die Nutzung im Unterricht“, erklärt Groh. Lehrer könnten das Buch zum Beispiel an einem sogenannten Whiteboard – einer interaktive Schultafel – nutzen. Möglich ist auch, dass die Schüler das Buch selbst an ihren Rechner aufrufen. Ein Problem dabei: Nicht alle Schulen haben die entsprechende Ausrüstung.

„Wir haben ja immer noch das Problem, dass nicht jeder Klassenraum einen Internetzugang hat“, sagt der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Udo Beckmann. An vielen Schulen gebe es veraltete Geräte. Dass der Unterricht mit der Zeit gehen muss und sich demnach auch an den Alltag der an Smartphones und Computern gewöhnte Kinder anpassen muss, ist den Lehrern aber auch klar. „Natürlich brauchen wir mehr digitale Schulbücher.“ Es sei nur die Frage, in wie weit Schulträger bereit seien, darin zu investieren. „Schulen werden sich dem öffnen können, aber nur im Rahmen der ihnen zustehenden Budgets“, ist er überzeugt.

Aber auch Schulen, die über entsprechende Technik verfügen, können mit den digitalen Schulbüchern bislang nicht viel anfangen. „Den Mehrgewinn des digitalen Schulbuchs im Vergleich zu Hardcoverbüchern haben wir noch entdecken können“, sagt Lehrerin Jennifer Lach, die didaktische Leiterin der Gesamtschule Königsborn in Unna. Ihre Schule hat Notebookklassen, in denen jeder Schüler über einen Laptop verfügt – eigentlich also eine gute Voraussetzung für die Nutzung digitaler Schulbücher.

Trotzdem haben sich die Lehrer entschieden, weiter bei den realen Büchern zu bleiben. „Die Schüler können in digitalen Schulbüchern nicht arbeiten“, lautet die Hauptkritik von Lach. Die Kinder müssten zum Beispiel lernen, wichtige Dinge zu unterstreichen, das funktioniere derzeit noch nicht. „Ein Zugewinn wäre es, wenn man das interaktiv mit Aufgaben versehen könnte“, sagt sie. Das ist derzeit zwar theoretisch möglich, wird nach Angaben des Verbands Bildungsmedien aber noch von wenigen Verlagen genutzt.

Kritik kommt zudem von Seiten der Eltern. „Das größte Problem bei Software in der Schule ist der menschliche Faktor“, sagt die Landesvorsitzende des Elternvereins NRW, Regine Schwarzhoff. Das sei eine Entwicklung weg vom kindgerechten Lernen. „Wenn jetzt immer mehr digitale Medien herangezogen werden und Lehrer sich in eine Beraterrolle zurückziehen, desto weniger funktioniert die persönliche Bindung“, bemängelt sie. Diese sei aber gerade bei jüngeren Kindern sehr wichtig für die Motivation zu Lernen.

Sie befürchtet zudem, dass der Unterricht ausfallen könnte, wenn die Technik mal nicht funktioniert. Grundsätzlich aber sei es eine Selbstverständlichkeit, das Kinder an elektronische Medien herangeführt würden, betont sie. Trotz aller Kritik sieht auch Lehrerin Jennifer Lach noch einen ganz praktischen Vorteil im digitalen Schulbuch: „Es entlastet natürlich Schülerrucksäcke.“

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