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23.04.2019

Bilanzprobleme in Singapur Wirecard-Aktionäre fordern Aufklärung

„Mein klarer Rat ist: Transparenz herstellen!“

Aschheim – Große Investoren von Wirecard kritisieren den Umgang des Zahlungsdienstleisters mit Bilanzproblemen in Singapur. Im „Handelsblatt“ (Mittwochsausgabe) forderten mehrere Fondsmanager den DAX-Konzern dazu auf, mehr Transparenz zu schaffen und seine Managementstrukturen zu reformieren.

„Wirecard hätte gut daran getan, schon früher einen Prüfungsausschuss (des Aufsichtsrats) einzurichten“, sagte Vanda Heinen von Union Investment. „Um Vertrauen am Kapitalmarkt zurückzugewinnen, sollte ein renommierter und unabhängiger Rechnungslegungsexperte den Vorsitz übernehmen. Eine Personalunion von Aufsichtsrats- und Prüfungsausschussvorsitzendem lehnen wir ab.“

Auch Ingo Speich von der Sparkassen-Tochter Deka sieht nach den Ende Januar bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten im Asiengeschäft Reformbedarf im Aufsichtsrat. „Das Problem bei solchen Unternehmen, die sehr schnell sehr groß werden, ist oft, dass auf den Hygienefaktor zu wenig geachtet wird.“

Wirecard habe „To-dos“, sagte der Manager der Fondsgesellschaft. So sei der Aufsichtsrat nicht ausreichend vielfältig zusammengesetzt, was ein Grund für die jüngsten Probleme sein könne. Man müsse dem Unternehmen nun Zeit geben, seine interne Struktur aufzubauen.

Christian Strenger, Ex-Chef der Fondsgesellschaft DWS, hält zudem Wirecards Kommunikation für mangelhaft. „Wenn man im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, muss man Antworten geben. Und zwar wahrhaftige Antworten, keine gefärbten“, mahnte er. „Mein klarer Rat ist: Transparenz herstellen! Am besten wäre es, wenn Wirecard seinen Wirtschaftsprüfer EY von der Verschwiegenheit entbindet. Nachdem EY auch in Singapur geprüft hat, sollten die Prüfer zur aktuellen Problematik Stellung nehmen.“

Wirecard-Chef Markus Braun will auf die Kritik reagieren: „Am Donnerstag werden wir mit neuen Kennzahlen größere Transparenz herstellen und Prozesse vorstellen, die wir ohnehin schon angestoßen haben“, sagte er dem „Handelsblatt“. So wollen man zum Beispiel die Compliance-Abteilung „überdurchschnittlich ausbauen“.

Aktuell beschäftigt Wirecard 150 Experten, die sich mit der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften befassen. Diese Zahl soll pro Jahr überdurchschnittlich wachsen.

Auch sollen lokale Gesellschaften besser beaufsichtigt werden. Zudem deuten sich auf Spitzenebene Veränderungen an: Im Wirecard-Umfeld ist zu hören, dass man offen dafür sei, sowohl den Aufsichtsrat als auch den Vorstand zu erweitern.

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