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Revolutionärer Auftakt

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09.02.2012

Berlinale Revolutionärer Auftakt

Diane Kruger spielt in Eröffnungsfilm Marie Antoinette – Mäßiger Applaus bei erster Vorführung.

Berlin – Der Beginn dieser Berlinale stinkt. Im Teich vor dem Schloss Versailles treiben tote Ratten und die lustwandelnden Adeligen haben an diesem 14. Juli 1789 noch keine Ahnung, welches Grauen von der Bastille auf sie zukommt. Fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Sturz des ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak hat am Donnerstag ein Film über eine lang zurückliegende Revolution das Rennen um die Berlinale-Bären eröffnet. “Leb’ wohl, meine Königin” könne dennoch etwas über die Gegenwart aussagen, meinte Regisseur Benoit Jacquot.

Der erste Wettbewerbsbeitrag der 62. Berlinale, der das Festival am Abend eröffnen sollte, wurde bei der Pressevorführung lediglich mit verhaltenem Applaus bedacht. Über einen sehr viel herzlicheren Empfang konnte sich Hauptdarstellerin La Seydoux bei der Vorstellung des Films freuen. Der Berlinale-Neuling verkörpert Sidonie, die junge Vorleserin der Königin Marie Antoinette, die hautnah die zunehmende Panik im Schloss zu Beginn der Französischen Revolution miterlebt.

Wiedersehen mit Diane Kruger

Eine alte Bekannte des Festivals ist dagegen Diane Kruger, die Marie Antoinette spielt. 2008 hatte sie als Mitglied der Internationalen Jury noch selbst über die Vergabe des Goldenen und der Silbernen Bären mitentschieden, im vergangenen Jahr war sie mit dem Thriller “Unknown” am Potsdamer Platz vertreten. Routine ist die Berlinale für die Schauspielerin dennoch nicht.

Sie sei “super aufgeregt” und habe in der Nacht zuvor kaum geschlafen, gestand Kruger am Donnerstag. Es sei eben eine große Ehre, die Berlinale zu eröffnen. “Es ist wirklich ein Traum, den ich nie gewagt hätte zu träumen.”

Die Darstellung der später hingerichteten Königin (1755-1793) bezeichnete Kruger als eine der schwierigsten Rollen ihrer Karriere. Ihre Marie Antoinette habe sich am Rande des Wahnsinns bewegt, außerdem sei sie von vielen als feierwütig und verzogen abgeschrieben worden. “Ich habe versucht, sie nicht zu verurteilen.”

Parallelen zur Königin

Außerdem hatte die aus Niedersachsen stammende Schauspielerin Ähnlichkeiten zu Marie Antoinette entdeckt. Sie sei etwa im selben Alter wie die Wienerin nach Paris gekommen und habe sich mit der französischen Kultur vertraut machen müssen. Kruger war als Teenager nach Frankreich gezogen, um ihre Karriere als Model voranzutreiben.

Von den Revolutionären in den Gassen sieht der Zuschauer in “Leb’ wohl, meine Königin” wenig. Regisseur Jacquot konzentriert sich auf das Geschehen in den Gemächern und dunklen Fluren von Versailles. Dabei habe er angestrebt, das Geschehen modern und so gegenwärtig wie möglich zu zeigen, sagte der Franzose, der 1996 mit “La Fille Seule” im Panorama zu Gast war.

Zu Parallelen zwischen seinem Film und dem Berlinale-Fokus Arabischer Frühling befragt, sagte der Regisseur: “Ich bin sehr für das Ende von Herrschaftsepochen.” Auch weit über 200 Jahre nach Beginn der Französischen Revolution gehe der Klassenkampf weiter.

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