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Low-Budget-Film über Diskriminierung von Roma

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13.02.2013

Berlinale Low-Budget-Film über Diskriminierung von Roma

Tanovic-Drama startet im Berlinale-Wettbewerb – Jeremy Irons erwartet.

Berlin – Mit dem bosnischen Drama „An Episode in the Life of an Iron Picker“ über die Diskriminierung einer Roma-Familie hat am Mittwoch eine Low-Budget-Produktion für Aufsehen gesorgt. Der oscar-prämierte Regisseur Danis Tanovic schildert darin das Schicksal einer Roma-Frau (Senada Alimanovic), der wegen fehlender Krankenversicherung die lebensnotwendige Behandlung versagt wird. Die auf Tatsachen basierende Geschichte wird von den Betroffenen selbst gespielt. Das Budget für den Film betrug nur 17.000 Euro.

So viel Geld habe er vom Filmfonds bekommen, alle im Film Mitwirkenden hätten ohne Gage gearbeitet, sagte Tanovic, der für sein Spielfilmdebüt „No Man’s Land“ 2001 den Preis für das beste Drehbuch beim Filmfestival in Cannes sowie ein Jahr später den Auslands-Oscar gewann. Er habe Filme mit Budgets von zehn Millionen Euro gemacht, die kaum jemand interessiert hätten. Dieser habe praktisch kein Budget gehabt und sei im Wettbewerb. Vielleicht werde er so weiter arbeiten, fügte er lächelnd hinzu.

Der aktuelle Film schildert in 75 Minuten einen Ausschnitt aus dem Leben einer Roma-Familie. Die Mutter zweier kleiner Kinder hat starke Unterleibsschmerzen – Ärzte stellen fest, dass ihr ungeborenes Kind tot ist und sie schnellstmöglich operiert werden muss, da sonst eine Blutvergiftung droht. Die horrenden Kosten für die Operation kann ihr Mann (Nazif Mujic) aber nicht aufbringen. Nazif bettelt die Ärzte an, seine Frau zu behandeln, wenigstens zum Wohl der beiden kleinen Töchter – umsonst. Tanovic sagte, für ihn sei es darum gegangen, das Leben dieser Familie zu porträtieren. Vorbehalte würden so ganz schnell abgebaut.

Verfilmung eines Weltbestsellers

Darüber hinaus präsentierte die Berlinale die Verfilmung eines Weltbestsellers: Der Film „Nachtzug nach Lissabon“ nach dem Roman von Pascal Mercier läuft im Wettbewerb, allerdings außer Konkurrenz. Zur Weltpremiere des emotionalen Werkes wurden Oscar-Preisträger Jeremy Irons, die Schauspielerinnen Melanie Laurent und Martina Gedeck sowie Regisseur Bille August („Das Geisterhaus“) erwartet. Der Film, der am 7. März in den deutschen Kinos anläuft, schildert die Erlebnisse des Berner Lateinlehrers Raimund Gregorius, der auf ein Buch des portugiesischen Dichters und Arztes Amadeu de Prado stößt, alles stehen und liegen lässt und den Nachtzug nach Lissabon besteigt. Er muss mehr erfahren über diesen Autor, den die gleichen Fragen umtreiben wie ihn selbst.

Um die Bären bewarb sich zudem die US-Komödie „Prince Avalanche“ von US-Regisseur David Gordon Green mit Emile Hirsch und Paul Rudd. In dem Film verbringen Alvin (Rudd) und Lance (Hirsch) den Sommer 1988 in einem von Bränden zerstörten, menschenleeren Waldgebiet. Ihr monotoner Auftrag besteht darin, die Fahrbahnmarkierungen der kilometerlangen Landstraße zu erneuern. Lance leidet unter der Isolation, ganz im Gegensatz zum ernsteren Alvin. Die Männer streiten, prügeln und vertragen sich.

Hirsch räumte mit seinem Image des naturverliebten Typs aus „Into The Wild“ auf. In dem neuen Film spielt er einen Mann, der während seines einsamen Jobs im Wald Partys, Frauen und vor allem die körperliche Nähe zu diesen vermisst. Nach „Into The Wild“ hätten Leute ihm erzählt, sie hätten wegen des Films ihren Job gekündigt und seien auch in die Wildnis gefahren, sagte Hirsch. Nun sehe er dieselben Menschen schon vor sich, wie sie „mir in den Arsch treten“ und sagten, sie hätten wegen mir ihren Job aufgegeben – „und jetzt machst du das!“.

Am Abend sollte der Regisseur Rosa von Praunheim mit einer Berlinale Kamera ausgezeichnet werden.

Goldener Ehrenbär geht am Donnerstag an Lanzmann

Höhepunkt am Donnerstag verspricht die Verleihung des Goldenen Ehrenbärens an den französischen Regisseur Claude Lanzmann zu werden. Der 87-Jährige erhält die Auszeichnung im Berlinale-Palast. Er sei „einer der großen Dokumentaristen des Völkermordes an den Juden“, würdigten ihn die Internationalen Filmfestspiele Berlin. Sein 1985 entstandener, neuneinhalbstündiger Film „Shoah“ sei als epochales Meisterwerk der Erinnerungskultur in die Filmgeschichte eingegangen.

Der erstmals ausgelobte Heiner-Carow-Preis geht an einen deutschen Film aus der Berlinale-Sektion Panorama. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Der Wettbewerb der Berlinale biegt mit der Premiere des kasachischen Films „Harmony Lessons“ über einen 13-jährigen Außenseiter auf die Zielgerade. Außer Konkurrenz läuft der Western „Dark Blood“ von George Sluizer, in dem der 1993 gestorbene River Phoenix eine Hauptrolle spielt. Nach dessen Tod kurz vor Abschluss der Dreharbeiten fiel das Filmmaterial zu „Dark Blood“ an die Versicherung, die für den Drehabbruch aufkam. Im Januar 2012 begann Sluizer mit der Endfertigung des Films. Die fehlenden Szenen las er im Off aus dem Drehbuch vor.

Am Samstag werden dann der Goldene und die Silbernen Bären vergeben, für die sich in diesem Jahr 19 Filme bewerben. Einen großen Favoriten gibt es noch nicht. Am Sonntag enden die Festspiele mit einem Publikumstag.

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