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Tödliches Eifersuchtsdrama

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31.03.2012

Berlin Tödliches Eifersuchtsdrama

Mutmaßlicher Schütze wegen Doppelmordes vor Gericht – Täter wollte Familie der Ex-Frau „auslöschen“.

Berlin – Das Blutbad in der Kolbergerstraße in Berlin-Wedding erinnerte an eine Hinrichtung. Der mutmaßliche Täter Mehmet Y. konnte offenbar die Scheidung von seiner Ehefrau nicht verwinden und deshalb sollten alle sterben. Acht Monate sind seit der Tragödie vergangen. Am Montag (2. April) beginnt vor einer Schwurgerichtskammer des Berliner Landgerichts der Prozess gegen den 25-Jährigen. Ihm werden zweifacher Mord und dreifacher Mordversuch vorgeworfen.

Täter schoss aus „gekränkter Eitelkeit“

Am 4. August vergangen Jahres soll Mehmet Y. an einer Straßenecke seinen Opfern aufgelauert haben. Es war gegen 10.15 Uhr, als seine 24-jährige Ex-Frau Feride mit Mutter, Bruder und Schwester und deren Verlobtem aus dem Haus kamen und ins Auto stiegen. Die Familie wollte zur Ausländerbehörde. Als alle im Wagen saßen, trat der Schütze heran und eröffnete das Feuer. Laut Anklage soll er mindestens zwölfmal geschossen haben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Mehmet Y. aus „gekränkter Eitelkeit“ handelte. Ferides Mutter und ihre Schwester starben im Kugelhagel. Ihr Bruder wurde von einem Querschläger am Kopf getroffen. Sein Leben konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. Feride und der Verlobte der Schwester blieben unverletzt, erlitten aber einen Schock.

Todesschütze wollte ganze Familie auslöschen

„Das war ein kaltblütiges Verbrechen“. Der Täter habe so lange gewartet, bis er alle erwischte, sagt Rechtsanwalt Nurali Turan in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Der Anwalt ist überzeugt: Mehmet Y. „wollte eine ganze Familie auslöschen“. Der Anwalt wird im sogenannten Doppelmord-Prozess den Ehemann und Vater der getöteten Frauen als Nebenkläger vertreten.

Der Angeklagte war nach der Tat geflohen. Drei Tage hielt er sich in einer Krankenhaus-Ruine versteckt. Am 8. August wurde er von einem Spezialeinsatzkommando in Neukölln festgenommen, als er aus einem Taxi stieg. Seither sitzt der 25-Jährige in Untersuchungshaft. Im Ermittlungsverfahren gestand er die Schüsse. Nach Angaben eines Justizsprechers will er erst geschossen haben, nachdem er die Familie angesprochen und von ihr ignoriert worden sei. Dann habe er auf das Lenkrad des Wagens geschossen, um die Familie am Wegfahren zu hindern.

Im Jahr 2002 war Mehmet Y. illegal nach Deutschland gekommen. Drei Jahre später heiratete er Feride. Wiederholt soll er in der Ehe gewalttätig geworden sein. Die endgültige Trennung kam 2010. Seither soll der Mann seiner Frau und ihrer Familie wiederholt mit dem Tod gedroht haben.

Vater fühlt sich von Polizei im Stich gelassen

„Es gab zwei Anklagen wegen der Bedrohungen“, bestätigt Justizsprecher Tobias Kaehne. Doch der Prozess ließ auf sich warten. Die Dokumente mussten erst übersetzt werden. Ferides Vater erhebt schwere Vorwürfe und gibt der Polizei eine Mitschuld an der Tragödie. „Er hat sich von ihnen im Stich gelassen gefühlt“, sagt sein Anwalt Nurali Turan. „Die Aktenlagen hat keine Anhaltspunkte ergeben, dass er die Drohungen tatsächlich umsetzen wird“, sagt Justizsprecher Kaehne.

Insassen in U-Haft angegriffen

In dem Verfahren wird dem mutmaßlichen Doppelmörder zudem gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Der 25-Jährige, der sich in der Untersuchungshaft eine Zelle mit dem Hauptangeklagten in einem anderen Prozess teilte, soll diesen im Dezember vergangenen Jahres mit einem Edelstahlkochtopf mehrfach auf den Kopf geschlagen haben. Im Zusammenhang mit einer Schlägerei war Mehmet Y. bereits 2008 wegen Körperverletzung zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er stand noch unter Bewährung, als die Todesschüsse in Wedding fielen.

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