Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Politik - newsburger.de

Forsa-Chef Manfred Güllner

© über dts Nachrichtenagentur

16.07.2015

Griechenland-Umfrage Soziologie-Professoren kritisieren Forsa

„Diese Fragestellung von Forsa ist schlecht.“

Berlin – Mehrere renommierte Soziologen haben das Meinungsforschungsinstitut Forsa für eine veröffentlichte Umfrage betreffend der Griechenland-Politik kritisiert. Forsa hatte zu Beginn der Woche eine nach eigenen Angaben „repräsentative“ Meinungsumfrage durchgeführt, bei der die Befragten laut Veröffentlichung dazwischen wählen konnten, ob sich Kanzlerin Angela Merkel bei den Verhandlungen in Brüssel „alles in allem richtig verhalten“ habe, oder ob sie Griechenland zu einem Grexit hätte zwingen sollen. Als weitere Antwortoption stand nur „Weiß nicht“ zur Verfügung.

„Diese Fragestellung von Forsa ist schlecht“, sagte Michael Häder, Soziologie-Professor an der TU Dresden und Experte für Methoden der empirischen Sozialforschung, der dts Nachrichtenagentur. Besser wäre beispielsweise, die Verhandlungstaktik der Kanzlerin allein auf einer Notenskala bewerten zu lassen, wenn man eine entsprechende Informationen daraus ableiten wolle. „Bei einer `Oder-Frage` hat die genaue Formulierung beider Möglichkeiten einen Einfluss auf das Ergebnis“, kritisiert auch Andreas Diekmann, Autor eines Standardwerks für Umfragemethoden.

Erscheine in der Befragung eine Alternative – hier also der Grexit – als weniger attraktiv, dann profitiere davon die andere Alternative. Die Wortwahl „zu einem Ausstieg zwingen“ könne dies noch verstärkt haben, so der Soziologie-Professor.

Mehrere große Nachrichtenagenturen hatten das Ergebnis der vom „Stern“ in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage mit Überschriften wie „Mehrheit mit Merkels Griechen-Kurs zufrieden“ oder „Merkels Griechenland-Politik gefällt vielen Grünen-Anhängern“ weiterverbreitet.

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier, der die Kritik an der Umfragemethode und der darauf folgenden Berichterstattung zuerst publik gemacht hatte, war dafür von Forsa-Chef Manfred Güllner scharf attackiert worden. „Das kann man nicht fachlich kritisieren, wenn es einem ideologisch nicht gefällt – Merkels Vorgehen wird von den Bundesbürgern mehrheitlich gebilligt, ob es nun Herrn Niggemeier gefällt oder nicht“, sagte der Forsa-Chef seinem Auftraggeber, dem „Stern“.

Er habe in der Vergangenheit schon einmal vergeblich versucht, Niggemeier „das Einmaleins der Umfrageforschung nahezubringen“, so Güllner. Diese Aussage erscheint nach der Kritik von Güllners Professoren-Kollegen nun wohl in einem anderen Licht.

Laut veröffentlichtem Umfrageergebnis sollen 55 Prozent der Deutschen angeblich der Ansicht sein, dass sich die Kanzlerin in der Griechenland-Krise „alles in allem richtig verhalten habe“, 31 Prozent wählten hingegen die andere angebotene Antwortoption, wonach Merkel Griechenland zu einem Ausstieg aus dem Euro hätte zwingen sollen. Die restlichen 14 Prozent hatten laut Veröffentlichung angeblich „keine Meinung“.

Wenn diese Zahlen stimmen würden, dann blieben nur noch 0 Prozent übrig für diejenigen Deutschen, die der Meinung sind, Merkel habe sich falsch verhalten, die aber auch einen „Grexit“ ablehnen – und das scheint dann doch eher unwahrscheinlich.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Google+

© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/berlin-soziologie-professoren-kritisieren-forsa-fuer-griechenland-umfrage-86228.html

Weitere Nachrichten

Flüchtlingslager

© über dts Nachrichtenagentur

Bericht Wieder mehr Flüchtlinge über „Mittelmeerroute“

Die Zahl der Flüchtlinge über das Mittelmeer hat wieder zugenommen. Zwischen Jahresbeginn und dem 22. Juni registrierte Italien 71.978 Neuankömmlinge, die ...

Flughafen Leipzig/Halle

© über dts Nachrichtenagentur

Bericht Bundesregierung sagt Abschiebeflug nach Afghanistan ab

Die Bundesregierung hat laut eines Berichts von "Spiegel Online" einen für kommenden Mittwoch geplanten Abschiebe-Flug für abgelehnte Asylbewerber ...

Bundeswehr-Panzer "Marder"

© über dts Nachrichtenagentur

Bericht Nato-Generalsekretär unterstützt Bundeswehrreform

Nach Ansicht von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bewegt sich Deutschland bei der Übernahme von Lasten in der Nato in die richtige Richtung. ...

Weitere Schlagzeilen