Nachrichten und Schlagzeilen aus aller Welt - Wirtschaft - newsburger.de

Industrieanlage

© über dts Nachrichtenagentur

29.07.2019

Bericht Klimaschutz spaltet deutsche Wirtschaft

„Deutschland hat sich dem Klimaabsolutismus unterworfen.“

Berlin – In der gesellschaftlichen Debatte um die Folgen des Klimawandels mahnt die Wirtschaft einen gemäßigteren Ton an. Das berichtet die „Welt“ (Montagsausgabe).

Peter Kurth, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE), sieht „ernste Gefahren, etwa die Neigung zur Hysterie und zur Beschwörung der Apokalypse in der Klimadiskussion. Beides ist so überflüssig wie der hypernervöse Feuerwehrmann bei der Brandbekämpfung“. Genauso falsch und auch gefährlich sei es, Klimaschutz und Wirtschaftswachstum gegeneinander auszuspielen, sagte Kurth der „Welt“.

Der BDE-Präsident reagierte damit auf einen Meinungsbeitrag der Unternehmerin Natalie Mekelburger. Die Geschäftsführerin des Automobilzulieferers Coroplast-Gruppe in Wuppertal hatte in einem Beitrag für die „Welt“ kritisiert, der Klimawandel werde im öffentlichen Diskurs zu Unrecht als wichtigstes politisches Thema dargestellt. „Deutschland hat sich dem Klimaabsolutismus unterworfen“, schrieb Mekelburger, der die „industriepolitisch zerstörerische Klimapolitik in Deutschland und Europa große Sorgen“ bereite. Bis in die Spitzen der großen Konzerne werde, so die Unternehmerin weiter, „dem Ökosozialismus nichts mehr entgegengesetzt“.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) weist in diesem Zusammenhang auf den Aspekt einer zu einseitig ausgerichteten Klimapolitik hin. „Der bestehende Instrumentenmix hat zu Komplexität, bürokratischen Belastungen und nicht zuletzt zu hohen Energiekosten geführt“, sagte der stellvertretenden BVE-Hauptgeschäftsführer Peter Feller der „Welt“. Die Instrumente müssten „besser aufeinander abgestimmt, in ihrer Anwendbarkeit vereinfacht und in ihrer Zahl verringert werden“.

Speziell den Aspekt der Energiekosten im Wettbewerbsumfeld hob Franziska Erdle, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Metalle, hervor. „Für unsere Unternehmen ist die Schmerzgrenze erreicht, und das ist anhand der rückläufigen Investitionen deutlich erkennbar“, sagte sie. „Schuld daran sind vor allem die enorm hohen Stromkosten in Deutschland, die unsere Wettbewerber in anderen Ländern nicht oder nicht in gleicher Weise zu schultern haben.“

In eine ähnliche Richtung argumentierte Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl: „Die Stahlindustrie in Deutschland bekennt sich zu den Pariser Klimaschutzzielen.“ Die Unternehmen wollten einen entscheidenden Beitrag zur CO2-Reduzierung bis 2050 leisten. Dies gelinge jedoch nur, wenn die Rahmenbedingungen von der Politik richtig gesetzt würden in den Bereichen internationale Wettbewerbsfähigkeit, Forschung sowie energiewirtschaftliche Infrastruktur. „Insbesondere eine verlässliche und bezahlbare Versorgung mit Strom und Wasserstoff muss sichergestellt werden“, sagte Kerkhoff.

Es gibt aber auch Stimmen, die die Fortschritte in der Klimapolitik in den Vordergrund stellen und den Druck aufrecht erhalten sehen wollen.

„Das formulierte politische Klimaschutzziel, die CO2-Emissionen bis 2050 um mindestens 80 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, ist technologisch und volkswirtschaftlich zu erreichen“, sagte Klaus Mittelbach, Vorsitzender der Geschäftsführung beim Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). „Vordringliche Aufgabe der Politik ist, Chancen der Digitalisierung und den Umbau des Verkehrs- und Energiesystems besser zusammenzuführen. Klimaschutz muss stärker als Innovationsthema auch für den Standort Deutschland verstanden werden.“

Weniger kritisch reagierte auch die Landwirtschaft, die die Folgen des Klimawandels selbst besonders stark zu spüren bekommt. Der Bauernverband verwies auf seine „Klimastrategie 2.0“. Darin wird der Klimaschutz als „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ beschrieben und das Ziel bekräftigt, den Ausstoß an Treibhausgasen aus der Landwirtschaft bis 2030 um 30 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Die Umsetzung der Strategie kann nur „gemeinsam mit Politik und Gesellschaft“ erfolgen, so der Bauernverband weiter.

Weitere interessante Artikel

Unterstützen durch teilen: Sie können unsere Arbeit ganz einfach unterstützen indem Sie diesen Artikel auf einer der folgenden Social Media Plattformen teilen. Jeder geteilte Artikel hilft uns. Dankeschön!
Xing

© dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

URL zum Artikel: newsburger.de/berlin-klimaschutz-spaltet-deutsche-wirtschaft-114785.html

Weitere Meldungen

Bahn-Zentrale

© über dts Nachrichtenagentur

Bericht Bahn-Aufsichtsrat will Beraterverträge beschränken

Bei der Deutschen Bahn soll es künftig offenbar keine Beraterverträge mit Politikern und Ex-Vorständen mehr geben. Der Aufsichtsrat will einen Beschluss ...

Straßenbahnhaltestelle

© über dts Nachrichtenagentur

Statistisches Bundesamt Nutzung des Nah- und Fernverkehrs leicht angestiegen

Die Zahl der Nutzer des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2019 leicht gestiegen. Über 5,8 Milliarden Mal waren ...

Industrieanlage

© über dts Nachrichtenagentur

Statistisches Bundesamt Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe stagniert

Der preisbereinigte Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe ist im Juli 2019 saison- und kalenderbereinigt auf dem Niveau des Vormonats geblieben. Das ...

Umweltbundesamt Mehrweganteil bei Getränken sinkt weiter

Immer weniger Getränke werden in Deutschland in Mehrwegflaschen abgefüllt. Im Jahr 2017 lag der Anteil bei rund 42 Prozent und damit um rund 0,5 Prozent ...

Gutachten Monopolkommission sieht Energiewende in Gefahr

Die Monopolkommission hat davor gewarnt, dass zu wenig Wettbewerb zwischen den Stromtankstellen den Ladestrom verteuert und so die Verkehrswende ins ...

Klimaschutzpaket Eon-Chef will hohe CO2-Bepreisung

Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns Eon, Johannes Teyssen, fordert von der Bundesregierung im geplanten Klimaschutzpaket eine hohe Bepreisung des ...

Klimapolitik DIHK verlangt „wirtschaftliche Vernunft“

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat das "wachsende Interesse" seiner Mitgliedsunternehmen an Klimapolitik hervorgehoben. "Wir brauchen ...

Portfolio-Umbau Deutsche-Bank-Chef erwartet keine Kapitalerhöhung

Der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, hat bekräftigt, dass es keine Kapitalerhöhung geben wird. "Wenn wir den Portfolio-Umbau so schaffen, wie wir ...

Deutsche-Bank-Chef EZB-Politik spaltet Gesellschaft

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat die Europäische Zentralbank aufgefordert, ihre Geldpolitik rasch zu ändern. "Die Politik des Niedrigzinses ist ...

Handelskrieg Airbus fürchtet Flugzeugzölle

Der neue Airbus-Chef Guillaume Faury warnt vor den Auswirkungen des Handelskriegs auf die Luftfahrt. "Wir haben einige Wolken vor uns", sagte der seit ...

Bericht Tui spricht mit Condor

Der Reisekonzern Tui führt laut eines Zeitungsberichts Gespräche mit der Ferienfluggesellschaft Condor. Hintergrund dürfte eine alte Idee von Tui-Chef ...

BDI-Präsident Brasilien muss weiter auf Freihandel setzen

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, hat Brasiliens zum Festhalten am Freihandel aufgefordert. Man müsse außerdem ...

Autonomes Fahren Garmin-Chef erwartet „Marktbereinigungen“

Der US-Elektronikspezialist Garmin will sein Geschäft mit der Automobil- und Luftfahrtindustrie ausbauen. Man spreche aktuell "mit allen großen ...

Axel Springer Döpfner kündigt Sparkurs an

Der Chef des Axel-Springer-Verlags, Mathias Döpfner, hat nach dem Einstieg des Finanzinvestors KKR einen harten Sparkurs für sein Unternehmen angekündigt. ...

Finanzlage der Bahn Fahrgastverband will mehr Investitionen

Der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, hat angesichts des Rechnungshofberichts zur Finanzlage der Deutschen Bahn deutlich ...

Eingebaute Software VW-Chef Diess schließt neue Dieselmanipulationen aus

Der VW-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess hat Berichte über neue Abgasmanipulationen bei Dieselwagen zurückgewiesen. "Gott sei Dank ist nichts dran an der ...

Kritik an PSD2 Bankkunden reagieren verärgert auf EU-Richtlinie

Eigentlich ist die überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) der Europäischen Kommission bereits seit Anfang 2018 in Kraft, doch viele Internetnutzer ...

McDonald's Deutschland-Chef will mehr Ostdeutsche in Spitzenpositionen

McDonald`s Deutschland-Chef Holger Beeck fordert mehr Ostdeutsche in Führungspositionen. "Über wenige Dinge zermartere ich mir so sehr den Kopf wie über ...

Statistisches Bundesamt Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr gesunken

Die Zahl der Unternehmenspleiten in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2019 gesunken. In den ersten sechs Monaten des Jahres meldeten die deutschen ...

Klimaschutz Thyssenkrupp will international einheitliche CO2-Bepreisung

Der Essener Industriekonzern Thyssenkrupp hat sich für eine international einheitliche Bepreisung des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) ausgesprochen, um ...

Drohende Rezession DIW fordert Investitionsprogramm

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat ein milliardenschweres staatliches Investitionsprogramm gefordert, um eine mögliche Rezession der ...

Brexit Britische Handelskammer warnt vor Fristverlängerung

Die Britische Handelskammer in Deutschland (BCCG) warnt vor einer grundsätzlichen Fristverlängerung für den Brexit. "Je länger die aktuelle Phase der ...

Sparkassenpräsident EZB-Politik schadet Sparern und Unternehmen

Kurz vor der nächsten Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank hat der Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes (RSGV), Michael Breuer, ...

Studie Deutsche Autoindustrie beim autonomen Fahren führend

Trotz deutlicher Fortschritte von internationalen Konzernen ist die deutsche Automobilindustrie bei der Entwicklung der Technologien für autonom fahrende ...

Deutsche Bahn Fahrgastverband kritisiert neues ICE-Design

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat das von der Deutschen Bahn vorgestellte neue Außendesign für die ICE-Flotte kritisiert. "Muss das schon wieder sein? Die ...

Start-Up-Finanzierung PKV-Verband will digitale Gesundheitsversorgung vorantreiben

Mit Investitionen in Höhe von 100 Millionen Euro wollen die Privaten Krankenversicherungen (PKV) digitale Innovationen in der Gesundheitsversorgung vorantreiben. ...

Statistisches Bundesamt Handwerk macht mehr Umsatz

Im zweiten Quartal 2019 sind die Umsätze im zulassungspflichtigen Handwerk um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. Das teilte das ...

Süddeutsche Zeitung EnBW-Chef kritisiert enorme Dauer der Energiewende

Der Chef des Stromkonzerns EnBW, Frank Mastiaux, zweifelt am Gelingen der Energiewende und am Umstieg zur Elektromobilität in Deutschland. "Das dauert ...

Siemens-Chef Unter US-Handelsstreit mit China leiden alle

Siemens-Chef Joe Kaeser beklagt fatale Auswirkungen des andauernden Handelsstreits zwischen den USA und China. "Wenn die stärkste Volkswirtschaft der Welt ...

Vorstandschef EasyJet will größte Fluglinie in Berlin werden

Der Vorstandschef des britischen Billigfliegers EasyJet, Johan Lundgren, hat den Plan bekräftigt, größter Fluganbieter in Berlin zu werden. Dem ...

Experte Jede dritte Bankfiliale verschwindet bis 2025

Die Zahl der Bankfilialen wird in den nächsten Jahren deutlich schrumpfen. "Bis 2025 dürfte noch mal fast ein Drittel aller Bankfilialen wegfallen", sagte ...

Statistisches Bundesamt Produktion im Juli gesunken

Die reale (preisbereinigte) Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im Juli 2019 im Vergleich zum Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 0,6 Prozent ...

Bericht Deutsche Bank „sehr beunruhigt“ über Situation in Hongkong

Anlässlich der Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach China hat sich die Deutsche Bank besorgt über die Lage in Hongkong geäußert. "Die ...

Weitere Nachrichten