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Daniel Domscheit-Berg

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12.04.2019

Möglicher Assange-Prozess Domscheit-Berg fürchtet „Präzedenzfall“

„Ich glaube nicht, dass Trump irgendwem gegenüber loyal ist.“

Berlin – Der frühere Wikileaks-Sprecher und Weggefährte von Julian Assange, Daniel Domscheit-Berg, fürchtet, dass der US-Präsident Donald Trump einen möglichen Prozess gegen Assange dazu nutzen könnte, einen „Präzedenzfall“ gegen Whistleblower und investigative Journalisten zu schaffen.

„Ich glaube nicht, dass Trump irgendwem gegenüber loyal ist; wer ihm unbequem wird, wird fallengelassen“, sagte Domscheit-Berg der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Online-Ausgabe). Auch Assange sei für Trump „im besten Fall nicht mehr als ein nützlicher Idiot, der ein bisschen auf der weltpolitischen Bühne mitgemischt, Informationen zur richtigen Zeit an die Öffentlichkeit gebracht und so dazu beigetragen hat, dass Trump gewählt werden konnte.

Jetzt ist Assange wertlos für Trump, deshalb vermute ich, dass er jetzt Stärke zeigen will, um von seinen anderen Problemen abzulenken“, so der frühere Wikileaks-Sprecher weiter. Für Trump sei Assange die „Gelegenheit für einen Schauprozess, bei dem er seine ganzen scharfen Hunde, die er um sich schart, von der Kette lassen kann“, sagte Domscheit-Berg.

Er sei sicher, dass es in den nächsten Monaten weitere Anschuldigungen gegen Assange geben werde. „Durch den ersten Verfassungszusatz ist ein Angriff auf Julian und Wikileaks für Donald Trump sehr schwierig, die Pressefreiheit in den Vereinigten Staaten ist zu stark. Deshalb hat man sich offenbar jahrelang bemüht, etwas anderes gegen ihn zu finden, mit dem man ihn angreifen kann“, so Domscheit-Berg, der bis zu seinem Bruch mit Assange 2010 eng mit diesem zusammengearbeitet hatte.

Der ehemalige Wikileaks-Sprecher bezeichnete Assange als „schwierigen, sehr streitbaren Charakter“. Er mache „sein Ding, ohne Rücksicht auf Verluste. Wenn es jetzt heißt, er sei mit dem Skateboard durch die Botschaftsräume gebrettert und habe sich nicht darum geschert, was er dabei zerstört und dass davon der Parkettboden kaputt geht, dann kann ich mir das gut vorstellen“.

Domscheit-Berg bezeichnete es als „größten Fehler“ Assanges, dass dieser sich 2010 nicht in Schweden den Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn gestellt habe. „Früher habe ich gedacht, dass wir beide ähnlich ticken“, sagte der frühere Wikileaks-Sprecher über Assange. „Dass wir eine sensible Wahrnehmung dafür haben, was in der Welt ungerecht ist und was man verändern kann. Seit ich 2010 aus Wikileaks ausgestiegen bin, frage ich mich, ob das eine komplette Fehleinschätzung war. Ob es Julian in Wirklichkeit viel mehr um persönliche Profilierung ging, um die weltpolitische Bühne oder um Geld – auch das ist nicht von der Hand zu weisen“, so Domscheit-Berg weiter.

Es sei „längst an der Zeit gewesen, eine neue Spitze für Wikileaks zu bestimmen, die integrer und verlässlicher ist“. Am Anfang habe man „Julians Exzentrik auch gebraucht, um Wikileaks überhaupt aus der Taufe zu heben. Aber später hat er dem Projekt durch seinen schwierigen Charakter immens geschadet“, sagte Domscheit-Berg der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Für ihn sei das Projekt Wikileaks schon 2010 „gestorben“: „Unser ursprüngliches Anliegen war es ja, ein Ökosystem für Whistleblower zu schaffen – abseits von der Plattform. Das war ein politisches Projekt – aber das wird schon lange nicht mehr adäquat verfolgt“, so der ehemalige Wikileaks-Sprecher weiter. Seinen eigentlichen Sinn und Zweck habe Wikileaks „schon lange verfehlt“.

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