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Folter in der Haft Deniz Yücel reicht Verteidigungsschrift ein

Über Tage hinweg geschlagen, bedroht und entwürdigt.

Berlin – Der Journalist Deniz Yücel ist in der Haft gefoltert worden. Das geht aus der Verteidigungsschrift Yücels hervor, über die die „Welt“ (Samstagsausgabe) berichtet.

Darin berichtet Yücel von mehreren körperlichen Angriffen des Wachpersonals gegen seine Person im Hochsicherheitsgefängnis Silivri Nr. 9. Dabei sei er über mehrere Tage hinweg wiederholt und systematisch geschlagen, bedroht und entwürdigt worden.

Yücel gehe davon aus, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zumindest die politische Verantwortung für die Folter trägt, wenn er sie nicht direkt befohlen habe, heißt es in der Verteidigungsschrift weiter. Angesichts der politischen Bedeutung des Falles und der ständigen Säuberungen im türkischen Justiz- und Beamtenapparat sei es nicht denkbar, dass einzelne Beamte eigenmächtig gehandelt hätten, heißt es in Yücels Verteidigungsschrift.

Die Angriffe ereigneten sich Anfang März 2017, unmittelbar nachdem Erdogan Yücel in öffentlichen Reden als Terroristen und deutschen Agenten bezeichnet hatte.

In der gerichtlichen Stellungnahme des Journalisten heißt es: „Ich wurde im Gefängnis Silivri Nr. 9 drei Tage lang gefoltert. Womöglich auf direkte Veranlassung des türkischen Staatspräsidenten oder dessen engster Umgebung, auf jeden Fall aber infolge der Hetzkampagne, die er begonnen hatte, und unter seiner Verantwortung. So oder so, der Hauptverantwortliche für die Folter, der ich ausgesetzt war, heißt Recep Tayyip Erdogan.“

Yücel habe seine Verteidigungsschrift im türkischen Strafverfahren am Freitag beim Berliner Amtsgericht Tiergarten eingereicht, das seine Aussage im Rahmen deutsch-türkischer Rechtshilfeabkommen entgegennahm. In dem Dokument erklärt der Journalist, er habe die Vorgänge seinerzeit bewusst nicht öffentlich gemacht. Er habe vermutet, Erdogan wolle eine Eskalation des Falles Yücel für die Abstimmung über eine Machterweiterung des Präsidenten nutzen.

„Der Zweck war womöglich, die Krise mit Deutschland weiter zu verschärfen und die zu erwartenden Reaktionen aus Deutschland in der Referendumskampagne auszuschlachten“, heißt es in Yücels Verteidigungsschrift, über die die „Welt“ berichtet. „Die Nachricht `Deutscher Journalist in der Türkei verhaftet` hatte schon große Proteste ausgelöst. Es war nicht schwer, sich auszumalen, wie man in Deutschland auf die Nachricht `Deutscher Journalist in der Türkei gefoltert` reagieren würde“, heißt es in der Verteidigungsschrift weiter.

Darum hätten er und seine Anwälte beschlossen, zunächst über politische und diplomatische Kanäle eine Lösung zu finden. Diese Gespräche hätten schließlich zu einem Ende der Angriffe geführt, berichtet die Zeitung weiter.

10.05.2019 © dts Nachrichtenagentur / newsburger.de

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