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Jens Weidmann

© Chatham House / CC BY 2.0

25.01.2015

Bundesbank Weidmann zweifelt an Wirksamkeit von Staatsanleihekäufen

Der Notenbanker warnte vor negativen Nebenwirkungen.

Berlin – Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat Zweifel an der Wirksamkeit der Staatsanleihenkäufe in der Eurozone. „Die Wirkungen sind zwar schwer abschätzbar, werden in Europa aber wohl geringer sein als in den USA“, sagte er im Interview mit der „Welt am Sonntag“. Dort sei das Zinsniveau anfangs deutlich höher gewesen, als die US-Notenbank ihr Ankaufprogramm startete.

„Außerdem finanzieren sich die US-Unternehmen stärker über den Kapitalmarkt, so dass Wertpapierkäufe der Notenbank viel direkter wirken können als in einer Wirtschaft, die sich über Banken finanziert.“

Das von der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag beschlossene Anleihenkaufprogramm ändert daher aus Weidmanns Sicht nichts an den grundsätzlichen Problemen. „Das schleppende Wachstum in Europa geht letztlich auf eine hohe Verschuldung und einen Mangel an Wettbewerbsfähigkeit in einzelnen Ländern zurück“, sagte er. „Dort müssen die Regierungen ansetzen, was ja auch Mario Draghi noch einmal betont hat.“

Der EZB-Präsident hatte das 1,1 Billionen Euro schwerer Ankaufprogramm gegen Weidmanns Widerstand durchgesetzt. Der Bundesbank-Präsident bestätigte im Interview, dass er der Maßnahme nicht zugestimmt habe. Er halte die Intervention der Notenbank in der aktuellen Situation für nicht notwendig.

„Sicher, die Inflationsraten sind derzeit sehr niedrig, aber das ist stark durch die sinkenden Ölpreise getrieben. Daher spricht einiges dafür, dass die außergewöhnlich niedrigen Teuerungsraten nur ein vorübergehendes Phänomen sind“, sagte Weidmann.

Die EZB strebt eine Inflation von knapp zwei Prozent an; zuletzt waren die Preise in der Eurozone jedoch sogar leicht gefallen. „Wir haben ein mittelfristiges Inflationsziel, vorübergehend können die Teuerungsraten durchaus davon abweichen“, sagte Weidmann.

Der Notenbanker warnte vor negativen Nebenwirkungen der Staatsanleihenkäufe. „Viele Staaten müssten eigentlich Schulden abbauen, doch die Anreize dafür werden nun geringer“, sagte er. Bei hoher Staatsverschuldung könne wiederum die Notenbank unter Druck geraten, für immer mehr Erleichterungen zu sorgen „Dieser Druck wird sicher nicht schwächer. Immerhin werden die Notenbanken durch ein solches Programm zu den größten Gläubigern der Staaten“, sagte Weidmann.

Außerdem warnte er vor der Gefahr, dass Preise an den Vermögenswerten aus dem Ruder laufen könnten: „Das Risiko für Übertreibungen steigt sicherlich, auch wenn wir derzeit etwa am deutschen Immobilienmarkt noch keine Blase sehen.“

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