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10.10.2014

Berlin Arbeitgeber warnen vor Ost-West-Angleichung der Einkommen

„Jede Vereinheitlichung von Löhnen würde zulasten der Beschäftigung gehen.“

Berlin – 25 Jahre nach dem Mauerfall warnen die Arbeitgeber davor, die Gehälter in Ostdeutschland generell an das Westniveau anzugleichen. Angesichts der sich abschwächenden Konjunktur dämpfte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer gleichzeitig die Hoffnungen auf kräftige Lohnzuwächse in Deutschland.

„Jede Vereinheitlichung von Löhnen würde zulasten der Beschäftigung gehen“, sagte Kramer mit Blick auf das nach wie vor bestehende Einkommensgefälle zwischen West- und Ostdeutschland der „Berliner Zeitung“. Er verwies darauf, dass unterschiedliche Löhne nicht allein ein Ost-West-Thema seien. Es gebe viele regionale Unterschiede in Tarifverträgen. Künftig werde es eher mehr als weniger Differenzierungen geben.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, forderte dagegen in der „Berliner Zeitung“ eine Angleichung der tariflichen Löhne und Arbeitszeiten in Ost und West. Um das Lohngefälle zu verringern, müsse auch die Tarifflucht bekämpft werden. Zudem müssten „auch die Beschäftigten in Ostdeutschland bereit sein, sich gewerkschaftlich zu organisieren und ihre Interessen notfalls mit Streiks durchzusetzen“.

Nach einer Analyse des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen lag der mittlere Stundenlohn in Ostdeutschland zuletzt bei knapp 77 Prozent des Westniveaus. Insgesamt war die Lohnentwicklung in Deutschland der Studie zufolge nach dem Mauerfall schwach. Insbesondere seit 1995 sanken demnach die Reallöhne teils deutlich. Danach gingen die Reallöhne von Geringverdienern in Westdeutschland zwischen 1995 und 2012 um 20 Prozent zurück, bei Geringverdienern in Ostdeutschland betrug der Rückgang rund sechs Prozent. Im Westen erlitten auch Menschen mit mittlerem Einkommen starke Einbußen. Ihre Stundenlöhne gingen real – also nach Abzug des Preisanstiegs – um 8,5 Prozent zurück.

Verdi-Chef Bsirkse plädierte angesichts der Reallohnverluste dafür, mehr Tarifverträge für allgemeinverbindlich zu erklären, damit sich alle Unternehmen einer Branche an die Tarifstandards halten müssen. „In den vergangenen 20 Jahren haben viele Arbeitgeber auf Wettbewerbsvorteile durch Lohndumping gesetzt“, kritisierte der Gewerkschaftschef.

Arbeitgeberpräsident Kramer betonte hingegen, dass in jüngster Zeit die Tarifabschlüsse über der Inflationsrate lagen und die Tarifeinkommen daher auch real gestiegen sind. Gleichzeitig dämpfte er die Hoffnung auf deutliche Lohnzuwächse. „Die meisten Tariferhöhungen liegen derzeit zwischen zwei und drei Prozent. Allerdings spüren wir, dass die Konjunktur nachlässt. Das wird sich auch tarifpolitisch auswirken“, sagte Kramer.

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